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Der Beruf „Tierarzthelfer“ heißt seit der Ausbildungsreform von 2006 offiziell Tiermedizinische/r Fachangestellte/r (TFA). Die frühere Bezeichnung ist umgangssprachlich weiter verbreitet, gemeint ist derselbe Beruf: die Fachkraft, die Tierärztinnen und Tierärzte bei Untersuchung, Behandlung und Praxisorganisation unterstützt. Wer gern mit Tieren arbeitet, Interesse an Medizin mitbringt und auch vor Verwaltungsaufgaben nicht zurückschreckt, findet hier ein vielseitiges Tätigkeitsfeld. Wichtig ist zudem eine gewisse psychische Belastbarkeit.
Berufsbild
Tiermedizinische Fachangestellte helfen Tierärzten bei der Diagnostik, Untersuchung und Behandlung von Tieren. Während einer Behandlung halten oder fixieren sie die Tiere und gehen beruhigend auf sie ein. Sie reichen dem behandelnden Arzt notwendige Instrumente und Hilfsmittel, die sie zuvor zusammengestellt und bereitgelegt haben. Vor einem Eingriff betreuen sie die Tiere: Sie scheren, rasieren oder waschen die Patienten und desinfizieren zu behandelnde Körperstellen. Auch nach einer Behandlung – etwa einer Operation – versorgen sie die Tiere weiter, verbinden Wunden oder verabreichen nach Anweisung des Arztes Medikamente.
Aufgaben und Tätigkeiten
Wenn Patienten stationär aufgenommen werden und eine Krankenstation zum Betrieb gehört, kümmern sich Tiermedizinische Fachangestellte um die tierartgerechte Unterbringung und Pflege. Sie stellen geeignetes Futter zusammen, beobachten die Tiere, dokumentieren deren Zustand und sorgen für Sauberkeit. Gegebenenfalls führen sie die Patienten auch aus. Durch Hygienemaßnahmen schützen sie sich und das Team vor Infektionen. Im Rahmen von Behandlungen fertigen sie nach Anweisung des Arztes Röntgenaufnahmen an und führen Laborarbeiten durch, etwa indem sie Blut-, Urin-, Haut- oder Kotproben nehmen.
Ist der Tierarzt nicht vor Ort, müssen sie im Notfall selbst Erste-Hilfe-Maßnahmen ergreifen. Tiermedizinische Fachangestellte betreuen außerdem die Tierhalter: Sie gehen auf besorgte Halter ein, informieren über präventive oder rehabilitative Maßnahmen und artgerechte Haltung und versuchen im Gespräch herauszufinden, was Ursache für Krankheitsanzeichen oder Verhaltensänderungen sein könnte. In Notfallsituationen geben sie telefonisch Anweisungen zur Ersten Hilfe.
Daneben organisieren sie Betriebsabläufe, regeln die Terminplanung und übernehmen Verwaltungsaufgaben. Sie halten Behandlungsabläufe schriftlich fest, ermitteln erbrachte Leistungen und erstellen Rechnungen. Auch die Verwaltung und Beschaffung von Material gehört zu ihrem Aufgabenspektrum.
Ausbildung zum Tierarzthelfer
Ablauf und Inhalte
Die Ausbildung ist dual aufgebaut. Neben dem theoretischen Unterricht in der Berufsschule – an bestimmten Wochentagen oder in Blockform – erlernen die Auszubildenden ihren Beruf im Ausbildungsbetrieb, wo sie unter Anleitung aktiv mitarbeiten. Eine rechtlich vorgeschriebene Vorbildung gibt es nicht; in der Praxis stellen viele Betriebe Bewerber mit mittlerem Schulabschluss oder Hochschulreife ein. Hilfreich sind gute Noten in Mathematik. Vor Ausbildungsbeginn muss ein ärztliches Attest die gesundheitliche Eignung bescheinigen.
In den ersten beiden Lehrjahren lernen die Auszubildenden, Patienten und Klienten situationsgerecht zu empfangen und bis zur Behandlung zu begleiten, Praxisabläufe zu organisieren und Leistungsabrechnungen zu erstellen. Ein weiterer Schwerpunkt ist das Mitwirken bei Diagnostik und Behandlung von Erkrankungen der Sinnesorgane, der Haut, des Verdauungstraktes oder der Harnwege.
Im zweiten Lehrjahr stehen in der Berufsschule unter anderem folgende Themenfelder im Fokus:
- Mitwirkung bei Diagnostik und Therapie von Erkrankungen des Bewegungsapparates
- Schutzmaßnahmen treffen (Röntgen, Strahlenschutz)
- Assistieren bei Operationen
- Betreuung von Tieren nach einer Operation
- Beratung und Betreuung von Klienten
In den ersten 18 Ausbildungsmonaten erwerben die Auszubildenden im Betrieb – zum Beispiel einer Tierarztpraxis – Kenntnisse über Hygiene- und Infektionsschutz, die Verwaltung eines Praxisbetriebes und seine Abrechnungssysteme. Sie arbeiten sich in die eingesetzten Informationssysteme und Praxissoftware ein und lernen die tierärztliche Hausapotheke kennen. Hinzu kommen Laborarbeit sowie Röntgen- und Strahlenschutz. Unter Aufsicht eines Tierarztes wirken sie bei Diagnostik und Therapie mit und eignen sich Wissen über Rehabilitation und Prävention an.
Im letzten Ausbildungsabschnitt vertiefen die Auszubildenden das Gelernte durch tägliche Mitarbeit und erweitern ihr Wissen unter anderem in diesen Bereichen:
- Betreuung von Patienten
- Arzneimittelabgabe
- Qualitätsmanagement und Betriebsorganisation
- Notfallmanagement
Dauer
Die duale Ausbildung dauert drei Jahre. Unter bestimmten Voraussetzungen ist eine Verkürzung möglich.
Prüfungen und Abschluss
Vor dem Ende des zweiten Ausbildungsjahres findet eine Zwischenprüfung statt, die höchstens 120 Minuten dauert. Die Abschlussprüfung gliedert sich in einen schriftlichen Teil von insgesamt 360 Minuten und einen praktischen Teil von höchstens 75 Minuten, an den sich ein Fachgespräch von höchstens 15 Minuten anschließt. Der schriftliche Teil umfasst die Bereiche Behandlungsassistenz, Betriebsorganisation und -verwaltung, Infektionskrankheiten und Seuchenschutz, Strahlenschutz in der Tierheilkunde sowie Wirtschafts- und Sozialkunde. Wer besteht, darf die Berufsbezeichnung Tiermedizinische/r Fachangestellte/r führen und sich anschließend etwa bei Tierarztpraxen, Tierkliniken oder veterinärmedizinischen Laboratorien bewerben.
Nach der Ausbildung: Einsatzbereiche
Tiermedizinischen Fachangestellten stehen nach der Ausbildung verschiedene Wege offen. Sie finden Beschäftigung in Groß- oder Kleintierpraxen, in Tierkliniken oder Tierheimen. Auch Universitäten und Hochschulen kommen als Arbeitgeber infrage, etwa in tierärztlichen Instituten, ebenso Berufs- und Fachakademien. Daneben bietet die Freizeit- und Unterhaltungswirtschaft Möglichkeiten, zum Beispiel in Tierparks, zoologischen und botanischen Gärten oder Naturparks. Auch die öffentliche Verwaltung, etwa Veterinärämter, stellt Tiermedizinische Fachangestellte ein.
Fort- und Weiterbildung
Um fachlich auf dem Laufenden zu bleiben und sich an neue Entwicklungen anzupassen, stehen Tiermedizinischen Fachangestellten verschiedene Weiterbildungen offen, etwa in diesen Bereichen:
- Allgemeine medizinische Assistenz
- Abrechnung und Buchführung im Gesundheitswesen
- Hygiene im Gesundheitsbereich
- Praxismanagement
- Kommunikation
- Qualitätsmanagement
- Medizinische Dokumentation und Kodierung
Wer beruflich aufsteigen oder eine Führungsposition anstreben möchte, kann kaufmännische Weiterbildungen nutzen, beispielsweise:
- Betriebswirt/in – Kommunikation und Büromanagement (Fachschule)
- Fachwirt/in – Büro- und Projektorganisation
Eine weitere Möglichkeit ist ein Studium. Bei entsprechenden Voraussetzungen bietet sich ein grundständiges Studium der Biologie oder der Tiermedizin an.
Häufig gestellte Fragen
Wie lange dauert die Ausbildung zum Tierarzthelfer?
Die duale Ausbildung zur Tiermedizinischen Fachangestellten dauert drei Jahre. Unter bestimmten Voraussetzungen kann sie verkürzt werden.
Welcher Schulabschluss wird vorausgesetzt?
Rechtlich ist keine bestimmte Vorbildung vorgeschrieben. In der Praxis stellen viele Ausbildungsbetriebe Bewerber mit mittlerem Schulabschluss oder Hochschulreife ein; gute Mathematiknoten sind hilfreich. Vor Ausbildungsbeginn ist ein ärztliches Attest über die gesundheitliche Eignung erforderlich.
Wie ist die Abschlussprüfung aufgebaut?
Sie besteht aus einem schriftlichen Teil von insgesamt 360 Minuten und einem praktischen Teil von höchstens 75 Minuten mit anschließendem Fachgespräch von höchstens 15 Minuten. Bereits vor dem Ende des zweiten Ausbildungsjahres findet eine Zwischenprüfung von höchstens 120 Minuten statt.
Welche Weiterbildungs- und Aufstiegsmöglichkeiten gibt es?
Möglich sind fachliche Weiterbildungen (etwa Praxismanagement, Hygiene, medizinische Dokumentation), kaufmännische Aufstiegsweiterbildungen wie Fachwirt/in – Büro- und Projektorganisation sowie – bei entsprechenden Voraussetzungen – ein Studium, zum Beispiel der Tiermedizin oder Biologie.













