Kaufmännische Weiterbildungen: Fachwirt, Fachkaufmann und Betriebswirt im Überblick

Erwachsener in Businesskleidung lernt am Schreibtisch mit Fachbüchern und Laptop
Hans / Pixabay

Nirgendwo ist das Angebot an Fort- und Weiterbildungen so groß wie im kaufmännischen Bereich. Der Grund: Banken, Versicherungen, Industrie, Handwerk sowie Groß- und Einzelhandel – kaum eine Branche kommt ohne kaufmännisches Know-how aus, und der Bedarf zieht sich durch alle Abteilungen, vom Einkauf über die Buchhaltung bis ins Marketing. Wie stark der kaufmännische Bereich die berufliche Weiterbildung prägt, zeigen die Prüfungszahlen: Kaufmännische Fortbildungsabschlüsse machten 2020 rund die Hälfte aller bestandenen Fortbildungsprüfungen nach Berufsbildungsgesetz und Handwerksordnung aus.

Welchen Nutzen haben kaufmännische Weiterbildungen?

Grundsätzlich lassen sich zwei Wege unterscheiden. Wer sein Wissen aktuell halten, vertiefen und an neue fachliche oder technische Anforderungen anpassen möchte, wählt eine Anpassungsweiterbildung. Sie ist in Form, Dauer und Inhalt nicht bundesweit geregelt und hebt das formale Qualifikationsniveau nicht an – sie hält vorhandene Fähigkeiten auf dem Laufenden.

Wer dagegen aufsteigen, mehr Fach- oder Führungsverantwortung übernehmen und den nächsten Karriereschritt gehen will, entscheidet sich für eine Aufstiegsweiterbildung. Diese ist gesetzlich geregelt: Lerninhalte, Ablauf und Prüfung sind vorgegeben. Zu den bekanntesten Aufstiegsfortbildungen zählen Fachwirt, Fachkaufmann und der staatlich geprüfte Betriebswirt. Ein solcher Abschluss kann den beruflichen Aufstieg unterstützen und zur Sicherung des Arbeitsplatzes beitragen.

Wie können sich Kaufleute weiterqualifizieren?

Vor der Wahl steht die Frage, welches Ziel die Weiterbildung erfüllen soll: Soll der Abschluss auf ein bestimmtes Berufsbild vorbereiten oder berufsfeldübergreifend angelegt sein? Als berufsfeldübergreifend gelten zum Beispiel der geprüfte Wirtschaftsfachwirt und der staatlich geprüfte Betriebswirt. Wer sich spezialisieren möchte, kann seine Kernkompetenzen an unterschiedlichen Schulungsorten vertiefen und sich auf einen Bereich fokussieren.

Ebenso wichtig ist die Wahl des Bildungsinstituts. Entsprechende Angebote finden sich an Fachschulen und Volkshochschulen, bei den Industrie- und Handelskammern sowie Handwerkskammern und bei privaten Bildungsträgern. Wer zeit- und ortsunabhängig lernen möchte oder muss, kann sich bei Fernlehrinstituten erkundigen.

Die wichtigsten kaufmännischen Weiterbildungen im Überblick

Nachfolgend drei Fortbildungen, die zu den am häufigsten gewählten gehören.

1. Der Fachwirt

Der Fachwirt ist unter Kaufleuten das, was der Meister im Handwerk ist: Beide sind im Deutschen Qualifikationsrahmen (DQR) dem Niveau 6 zugeordnet – der gleichen Stufe wie ein Bachelor. Er qualifiziert für anspruchsvollere Fach- und Führungsaufgaben. Neben dem branchenübergreifenden Wirtschaftsfachwirt gibt es zahlreiche branchenspezifische Fachrichtungen wie den Handels-, Industrie- oder Immobilienfachwirt. Zugangsvoraussetzung ist in der Regel eine erfolgreich abgeschlossene Prüfung in einem anerkannten, mindestens dreijährigen kaufmännischen oder verwaltenden Ausbildungsberuf; alternative Wege führen über einschlägige Berufspraxis. Bundeseinheitlich geregelt ist die Prüfung – die Lehrgangsdauer hängt von Anbieter und Format ab und reicht von wenigen Monaten in Vollzeit bis zu rund zwei Jahren berufsbegleitend.

2. Der Fachkaufmann

Diese Weiterbildung qualifiziert für einen bestimmten Funktionsbereich – etwa Personalwesen, Bilanzbuchhaltung oder Marketing. Weil Fachkaufleute Spezialisten für ihren Funktionsbereich sind, werden sie auch Funktionsspezialisten genannt; sie übernehmen dort Fach- und Führungsaufgaben. Auch der Fachkaufmann ist eine bundesweit geregelte Aufstiegsfortbildung auf DQR-Niveau 6.

3. Der staatlich geprüfte Betriebswirt

Der staatlich geprüfte Betriebswirt gilt als anspruchsvollste schulische Weiterbildung für Nicht-Akademiker im kaufmännischen Bereich. Der Abschluss wird an Fachschulen bzw. Fachakademien für Wirtschaft erworben und umfasst rund 2.400 Unterrichtsstunden – in Vollzeit dauert die Weiterbildung etwa zwei Jahre (vier Semester), berufsbegleitend entsprechend länger. Vorausgesetzt werden in der Regel eine kaufmännische Berufsausbildung und einschlägige Berufspraxis. Auch dieser Abschluss ist dem DQR-Niveau 6 zugeordnet und darf die Bezeichnung „Bachelor Professional“ führen. Ein wichtiger Zusatznutzen: Seit 2009 berechtigt er – wie andere Aufstiegsfortbildungen – bundesweit zum Studium, also auch ohne Abitur.

Schaubild: Fachwirt, Fachkaufmann und Betriebswirt

Häufig gestellte Fragen

Was ist der Unterschied zwischen Fachwirt, Fachkaufmann und staatlich geprüftem Betriebswirt?

Der Fachwirt ist breit angelegt und bereitet – branchenübergreifend oder branchenspezifisch – auf Fach- und Führungsaufgaben vor. Der Fachkaufmann ist Spezialist für einen einzelnen Funktionsbereich wie Personal oder Rechnungswesen. Der staatlich geprüfte Betriebswirt ist ein generalistischer Fachschulabschluss und gilt als höchste schulische Weiterbildung für Nicht-Akademiker. Alle drei sind im DQR auf Niveau 6 – also auf Bachelor-Ebene – eingeordnet.

Welche Voraussetzungen benötige ich für eine kaufmännische Weiterbildung?

In der Regel ist eine abgeschlossene kaufmännische oder verwaltende Berufsausbildung erforderlich, meist ergänzt um einschlägige Berufspraxis. Die genauen Zulassungsbedingungen legt die jeweilige Prüfungsordnung fest; teils sind auch Quereinstiege über mehrjährige Berufserfahrung möglich.

Was kostet eine kaufmännische Weiterbildung und wird sie gefördert?

Die Kosten hängen stark von Anbieter, Fachrichtung und Lernformat ab. Aufstiegsfortbildungen wie Fachwirt oder Betriebswirt lassen sich jedoch über das Aufstiegs-BAföG (Aufstiegsfortbildungsförderungsgesetz) fördern, das einen Teil der Lehrgangs- und Prüfungsgebühren übernimmt.

Kann ich mit einem Weiterbildungsabschluss ohne Abitur studieren?

Ja. Aufstiegsfortbildungen wie der Meister, der Fachwirt oder der staatlich geprüfte Betriebswirt verschaffen bundesweit eine Hochschulzugangsberechtigung. Damit ist ein Studium auch ohne Abitur möglich; einzelne Hochschulen rechnen den Fortbildungsabschluss zudem auf ein Bachelorstudium an.