Notfallsanitäter: Ausbildung, Aufgaben und Einstellungstest

Notfallsanitäter im Einsatz am Rettungswagen
Golda @ Pixabay

Der Notfallsanitäter ist ein vergleichsweise junger Beruf: Die Ausbildung gibt es in Deutschland seit dem Inkrafttreten des Notfallsanitätergesetzes (NotSanG) am 1. Januar 2014. Sie löste die frühere Ausbildung zum Rettungsassistenten ab und gilt heute als höchste nicht ärztliche Qualifikation im deutschen Rettungsdienst. International ist das Berufsbild seit Langem unter der Bezeichnung Paramedic etabliert. Wichtig ist die Abgrenzung zum Rettungssanitäter: Beide Berufe werden häufig verwechselt, unterscheiden sich aber deutlich in Umfang und Befugnissen der Ausbildung.

Notfallsanitäter arbeiten vor allem auf dem Rettungswagen in der Notfallversorgung – getragen von kommunalen Rettungsdiensten oder Hilfsorganisationen. Im Einsatz bilden sie gemeinsam mit einer weiteren Einsatzkraft, häufig einem Rettungssanitäter, das Team. Sie dürfen bestimmte heilkundliche, auch invasive Maßnahmen eigenverantwortlich durchführen, sofern sie diese in der Ausbildung erlernt haben und die Lage es erfordert; seit 2021 ist dies in § 2a NotSanG ausdrücklich geregelt. Wegen ihrer hohen Qualifikation werden Notfallsanitäter außerdem in Rettungsleitstellen, in der Luftrettung, auf Intensivtransportwagen sowie in Notaufnahmen eingesetzt. Der Dienst findet überwiegend im Schichtbetrieb statt. Beschäftigt sind Notfallsanitäter meist als Angestellte kommunaler Rettungsdienste oder Hilfsorganisationen; eine Verbeamtung kommt vor allem über die Laufbahn der Berufsfeuerwehr in Betracht.

Qualifikation und Zugangsvoraussetzungen

Die Ausbildung zum Notfallsanitäter dauert in Vollzeit drei Jahre; gegenüber der früheren, zweijährigen Rettungsassistenten-Ausbildung wurde sie um ein Jahr verlängert. Als schulische Zugangsvoraussetzung gilt ein mittlerer Schulabschluss. Wer einen Hauptschulabschluss besitzt, kann ebenfalls zugelassen werden, benötigt dann aber zusätzlich eine abgeschlossene, mindestens zweijährige Berufsausbildung. Viele Träger setzen darüber hinaus ein vorheriges Praktikum im Rettungsdienst voraus oder sehen es zumindest gern.

Für bereits examinierte Rettungsassistenten schuf das Notfallsanitätergesetz eine befristete Übergangsregelung: Je nach Berufserfahrung war eine Ergänzungsprüfung – teils nach einer zusätzlichen Weiterbildung von 480 bis 960 Stunden – möglich, um die neue Berufsbezeichnung führen zu dürfen. Diese Übergangsfrist endete am 31. Dezember 2023.

Eignungs- und Einstellungstest

Träger des Rettungsdienstes sind vielerorts die städtischen Feuerwehren. Beim Einstellungsverfahren unterscheiden sie oft nicht zwischen Feuerwehr- und Rettungsdienst-Bewerbern – auch, um späteren Beschäftigten den Wechsel in eine Feuerwehrlaufbahn zu ermöglichen. Bewerber durchlaufen in der Regel ein mehrteiliges Auswahlverfahren an mehreren Tagen. Dazu gehören meist ein Sporttest, eine schriftliche Prüfung und ein Einstellungsgespräch. Weil der Beruf körperlich wie seelisch belastend sein kann, sind inzwischen auch psychologische Eignungstests Teil des Verfahrens.

Sporttest

Zu Beginn steht häufig der Sporttest. Die Bewerber werden im Umfeld einer Sport- oder Trainingshalle mit gängigen Sportgeräten wie Reck oder Barren auf Kraft und Ausdauer geprüft. Ein bereits erworbenes Deutsches Sportabzeichen wird gern gesehen. Zur Vorbereitung verschicken viele Träger mit der Einladung zum Auswahlverfahren hilfreiche Trainingshinweise.

Schriftliche Kenntnisprüfung

Erwartet wird eine Vorbildung, die Motivation und konkretes Interesse am Beruf erkennen lässt. Biologie, Chemie und Mathematik gehören zu den Standardteilen. Darüber hinaus werden Aufgaben zu weiteren Themen gestellt:

Bewerbungsgespräch

Nach den vorangegangenen Tests folgt ein klassisches Bewerbungsgespräch. Dabei wird besonderer Wert auf die persönlichen Kompetenzen der Bewerber gelegt:

  • Konfliktbewältigung
  • Kritikfähigkeit
  • Kommunikationsfähigkeit
  • interkulturelle Kompetenz
  • Stressbewältigung
  • Belastbarkeit

Ist der Rettungsdienstträger eine Hilfsorganisation wie das Deutsche Rote Kreuz, der Malteser-Hilfsdienst oder die Johanniter-Unfall-Hilfe, wird gern gesehen, wenn sich Bewerber mit den Grundsätzen der Organisation identifizieren. Von Vorteil ist es daher, bereits in einer Jugend- oder Ehrenamtsabteilung mitzuwirken.

Ablauf und Aufbau der Ausbildung

Schaubild: Notfallsanitäter

Auszubildende bewerben sich bei einer staatlich anerkannten Lehrrettungswache, an der die praktische Ausbildung stattfindet. Über deren Träger werden sie an einer kooperierenden, staatlich zugelassenen Rettungsdienstschule für den theoretischen Teil angemeldet. Die Ausbildungs- und Prüfungsverordnung (NotSan-APrV) legt den Umfang fest: 1.920 Stunden theoretischer und praktischer Unterricht an der Schule, 1.960 Stunden praktische Ausbildung an der Lehrrettungswache und 720 Stunden Praktika im Krankenhaus – dort in den Bereichen Intensivmedizin, Anästhesie und Notaufnahme. Insgesamt umfasst die Ausbildung damit rund 4.600 Stunden, verteilt über drei Jahre.

Viele Rettungsdienstschulen und Lehrrettungswachen haben ihre Ausbildungsstrukturen seit Einführung des Berufs weiterentwickelt. An einigen Standorten werden Auszubildende in die Gestaltung des Lehrplans einbezogen, was die Mitverantwortung stärkt.

Weiterbildung und Ausblick

Mit bestandener staatlicher Prüfung und der Berufsurkunde steht Notfallsanitätern ein breites Tätigkeitsfeld offen. Es gibt zahlreiche Weiterbildungen und Zusatzqualifikationen, etwa zum Praxisanleiter oder in Richtung Leitungs- und Dozententätigkeit. Anders als in den ersten Jahren nach Einführung des Berufs bestehen inzwischen auch akademische Wege: Mehrere Hochschulen bieten Bachelor-Studiengänge im Rettungswesen an, teils ausbildungsintegrierend, sodass sich Ausbildung und Studium verbinden lassen.

Häufig gestellte Fragen

Was ist der Unterschied zwischen Notfallsanitäter und Rettungssanitäter?

Der Notfallsanitäter absolviert eine dreijährige, staatlich anerkannte Ausbildung mit rund 4.600 Stunden und darf im Rahmen des Erlernten bestimmte heilkundliche Maßnahmen eigenverantwortlich durchführen. Der Rettungssanitäter durchläuft dagegen eine deutlich kürzere Qualifizierung von in der Regel 520 Stunden (etwa drei Monate) und unterstützt im Einsatz. Der Rettungssanitäter ist zudem kein anerkannter Ausbildungsberuf, sondern nach Landesrecht geregelt.

Welche Voraussetzungen muss ich für die Ausbildung zum Notfallsanitäter erfüllen?

Erforderlich ist ein mittlerer Schulabschluss oder ein Hauptschulabschluss zusammen mit einer abgeschlossenen, mindestens zweijährigen Berufsausbildung. Hinzu kommen die gesundheitliche Eignung und häufig ein Praktikum im Rettungsdienst. Viele Träger führen zudem ein mehrteiliges Auswahlverfahren durch.

Wie lange dauert die Ausbildung zum Notfallsanitäter?

Die Ausbildung dauert in Vollzeit drei Jahre. Sie gliedert sich in theoretischen und praktischen Unterricht an der Schule, die praktische Ausbildung an der Lehrrettungswache und Praktika im Krankenhaus.

Kann ich als Rettungsassistent zum Notfallsanitäter nachqualifizieren?

Das Notfallsanitätergesetz sah dafür eine befristete Übergangsregelung mit einer Ergänzungsprüfung vor, je nach Berufserfahrung mit einer Weiterbildung von 480 bis 960 Stunden. Diese Übergangsfrist endete jedoch am 31. Dezember 2023; eine Nachqualifizierung auf diesem Weg ist seither nicht mehr möglich.