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Edelsteinfasser arbeiten mit strahlenden, farbigen Edelsteinen: Sie fassen geschliffene Steine in Ringe, Ketten, Broschen und Ziergegenstände – nach fremden Entwürfen oder in eigenen Schmuckkreationen. Dieser Beitrag erklärt das Berufsbild, den Ablauf der dualen Ausbildung und die beruflichen Perspektiven.

Berufsbild
Edelsteinfasser ist ein staatlich anerkannter Ausbildungsberuf, den es sowohl in Industrie und Handel als auch im Handwerk gibt. Die meisten Fachkräfte arbeiten in der Schmuck herstellenden Industrie, in handwerklichen Gold- und Silberschmiedewerkstätten sowie in Juweliergeschäften und deren Reparaturwerkstätten.
Die Tätigkeit umfasst mehr als das eigentliche Fassen der Steine: Edelsteinfasser bereiten Fassungen vor, arbeiten mit kleinen Maschinen, Lötkolben und handgeführten Werkzeugen und übernehmen auch die Reinigung und Pflege steinbesetzter Schmuck- und Dekorationsstücke. Grundlage der Arbeit ist ein sicherer Umgang mit unterschiedlichen Metallen und Fassungsformen.
Die Ausbildung zum Edelsteinfasser
Die Ausbildung ist dual aufgebaut und findet parallel im Betrieb und in der Berufsschule statt. Sie dauert dreieinhalb Jahre. Seit dem 1. August 2025 gilt eine modernisierte Ausbildungsordnung; die Inhalte der ersten beiden Ausbildungsjahre sind dabei identisch mit denen der Gold- und Silberschmiede. Stärker verankert sind seither unter anderem computergestütztes Konstruieren und Fertigen (CAD/CAM), digitale Arbeitsprozesse, Nachhaltigkeit und Kundenberatung.
Etwa zur Mitte der Ausbildung, im vierten Ausbildungshalbjahr, steht eine Zwischenprüfung an. Den Abschluss bildet die Abschlussprüfung (im Handwerk Gesellenprüfung). Sie besteht aus drei Prüfungsbereichen: dem Anfertigen einer Fasserarbeit, der Technologie sowie der Wirtschafts- und Sozialkunde. Den größten Anteil hat mit rund 60 Prozent der praktische Bereich „Anfertigen einer Fasserarbeit“.
Einen bestimmten Schulabschluss schreibt die Ausbildungsordnung nicht vor. Wichtiger sind persönliche Voraussetzungen: eine gute Feinmotorik, ein sehr gutes Sehvermögen einschließlich sicheren Farbsehens sowie handwerkliches Geschick und Sorgfalt. Interesse an Mathematik, Technik und Werken hilft zusätzlich.
Ausbildungsinhalte
Im ersten und zweiten Ausbildungsjahr werden die Grundlagen gelegt. Im Betrieb stehen unter anderem auf dem Programm:
- Auswahl, Vorbereitung und Handhabung von Werkstoffen
- Planung von Arbeitsabläufen
- Inbetriebnahme und Wartung von Maschinen und Betriebsmitteln
- Messen, Kennzeichnen und Kontrollieren von Arbeitsergebnissen
- Gestalten und Darstellen von Schmuck und Gegenständen
- Umformen verschiedener Metalle
- Trennen, Abtragen und Fügen
- Legieren und Schmelzen von Metallen
- Anfertigen von Kleinwerkzeugen
- Oberflächenbehandlung
- Anfertigen und Montieren von Zargen und Fassungen
- Fassen von Edel- und Halbedelsteinen in verschiedenen Fassungsformen
- Anfertigen von Verschnitt
In der Berufsschule kommen die fachtheoretischen Grundlagen hinzu:
- Gestaltungsgrundlagen
- Darstellungstechniken
- Geschichte der Goldschmiedekunst
- Fasstechniken
- Edelstein- und Werkstoffkunde
- berufsbezogene Mathematik
Im dritten und vierten Ausbildungsjahr werden die Kenntnisse vertieft und erweitert:
- Vertiefen der Kenntnisse aus den ersten beiden Ausbildungsjahren
- Erkennen und Zuordnen von organischen Stoffen und Edelsteinen
- Fassen von Halbedel- und Edelsteinen in Verschnitt- und kombinierten Fassungen
Perspektiven
Nach erfolgreichem Abschluss stehen die Chancen auf eine Anstellung gut. Edelsteinfasser werden in der industriellen Schmuckfertigung, in handwerklichen Schmuckbetrieben, bei Juwelieren und in Antikschmuckgeschäften sowie deren Werkstätten beschäftigt.
Für die Weiterentwicklung gibt es mehrere Wege. Anpassungsweiterbildungen halten das Fachwissen zu Schmuckdesign und neuen Techniken aktuell. Aufstiegsweiterbildungen eröffnen höhere Positionen, etwa als Gold- und Silberschmiedemeister/-in, Industriemeister/-in der Fachrichtung Metall oder staatlich geprüfte/-r Techniker/-in. Auch ein Studium im Bereich Schmuck- oder Produktdesign ist möglich. Mit dem Meistertitel besteht zudem die Möglichkeit, sich mit einem eigenen Betrieb selbstständig zu machen.
Hilfreiche Links
- BR „Ich mach’s“ – Edelsteinfasser: Ausbildung und Beruf
- Videoreportage „Ich mach’s“ zum Beruf Edelsteinfasser (BR)
Häufig gestellte Fragen
Wie lange dauert die Ausbildung zum Edelsteinfasser und wie ist sie aufgebaut?
Die duale Ausbildung dauert dreieinhalb Jahre und läuft parallel im Betrieb und in der Berufsschule. Etwa zur Mitte, im vierten Ausbildungshalbjahr, findet eine Zwischenprüfung statt. Am Ende steht die Abschluss- beziehungsweise Gesellenprüfung mit den Bereichen Anfertigen einer Fasserarbeit, Technologie sowie Wirtschafts- und Sozialkunde.
Welche Schulfächer und Fähigkeiten sind besonders wichtig?
Ein bestimmter Schulabschluss ist rechtlich nicht vorgeschrieben. Hilfreich sind gute Leistungen in Mathematik, Werken/Technik und im gestalterischen Bereich. Persönlich zählen vor allem eine feine Handmotorik, ein sehr gutes Sehvermögen mit sicherem Farbsehen sowie Geduld und Sorgfalt.
Kann man die Ausbildung zum Edelsteinfasser verkürzen?
Ja. Bei entsprechender schulischer Vorbildung oder guten Leistungen kann die Ausbildungszeit auf gemeinsamen Antrag verkürzt werden. Darüber entscheidet die zuständige Stelle – je nach Betrieb die Handwerks- oder die Industrie- und Handelskammer – nach den Regeln des Berufsbildungsgesetzes.
Worin unterscheiden sich Edelsteinfasser und Goldschmied?
Edelsteinfasser sind darauf spezialisiert, geschliffene Steine fachgerecht in unterschiedliche Fassungsformen einzuarbeiten. Gold- und Silberschmiede stellen Schmuck in der ganzen Breite her. Seit der Reform 2025 sind die ersten beiden Ausbildungsjahre beider Berufe inhaltlich identisch; danach spezialisiert sich der Edelsteinfasser auf das Fassen.













