Schuldnerberater – Berufsbild, Ausbildung und Aufgaben

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Berufsbild

Schuldnerberater helfen Menschen, die ihre Rechnungen und Verbindlichkeiten mit Einkommen oder Vermögen dauerhaft nicht mehr bedienen können – auch dann nicht, wenn sie ihren Lebensstandard bereits eingeschränkt haben. Überschuldung kann grundsätzlich jeden treffen, und eigenes Verschulden spielt dabei oft eine untergeordnete Rolle. Häufig gerät ein Haushalt aus dem Gleichgewicht, wenn sich die Lebensumstände plötzlich ändern: durch Trennung, Krankheit, Arbeitsplatzverlust oder die Insolvenz des Arbeitgebers. Diese Auslöser bestätigt auch die amtliche Statistik – laut Statistischem Bundesamt zählen Erkrankung, Sucht oder Unfall sowie Arbeitslosigkeit zu den häufigsten Gründen für Überschuldung. Allein die rund 1.360 Schuldnerberatungsstellen in Deutschland berieten zuletzt fast 190.000 Menschen pro Jahr.

Ein Schuldnerberater wird aktiv, wenn Menschen von Überschuldung bedroht sind oder sich bereits verschuldet haben. Zunächst verschafft er sich ein Bild von der finanziellen und sozialen Lage: Er ermittelt den genauen Umfang der Schulden und sichtet dafür Rechnungen, Mahnungen, Verträge und Kontoauszüge. Er prüft die laufenden Ausgaben – etwa für Miete, Strom oder Versicherungen –, beurteilt Einkommen und Vermögen und sucht nach Einsparmöglichkeiten. Liegen Forderungen von Gläubigern vor, prüft er, ob diese berechtigt sind.

Auf dieser Grundlage erarbeitet der Schuldnerberater einen Plan, mit dem sich die Schulden schrittweise abbauen lassen und berechtigte Forderungen – zum Beispiel über Ratenzahlungen – bedient werden. Bevor die Rückzahlung beginnt, sichert er das Existenzminimum des Haushalts. Auf Wunsch übernimmt er den gesamten Schriftverkehr und verhandelt mit den Gläubigern.

Er hält regelmäßig Kontakt zu den Ratsuchenden und informiert sie über die nächsten Schritte. Kommt keine außergerichtliche Einigung zustande, berät und begleitet er auch bei einer Privatinsolvenz. Anerkannte Schuldner- und Insolvenzberatungsstellen können in diesem Fall als „geeignete Stelle“ nach § 305 der Insolvenzordnung die Bescheinigung ausstellen, dass der außergerichtliche Einigungsversuch gescheitert ist – sie ist Voraussetzung für den Antrag auf ein Verbraucherinsolvenzverfahren. Häufig geht es außerdem darum, die Ursachen der Überschuldung aufzuarbeiten, etwa das Konsumverhalten. Bei Bedarf vermittelt der Berater weitere Hilfen, zum Beispiel Familien- oder Suchtberatungsstellen, und zeigt Wege auf, Einnahmen und Ausgaben dauerhaft besser im Blick zu behalten.

Schaubild: Schuldnerberater

Ausbildung

Wer Schuldnerberater werden möchte, absolviert in der Regel ein Studium im Bereich Soziale Arbeit oder Recht. Übliche Studiengänge, die den Weg in den Beruf ebnen, sind:

Ein weiterer Weg führt über die Weiterbildung zum Fachanwalt: Wer Rechtswissenschaft studiert und als Anwalt zugelassen ist, kann sich auf das Insolvenzrecht spezialisieren. Die passende Fachanwaltschaft heißt seit Juni 2022 „Fachanwalt für Insolvenz- und Sanierungsrecht“ (vormals „Fachanwalt für Insolvenzrecht“).

Ablauf und Studienformen

Soziale Arbeit lässt sich als Präsenzstudium, als duales Studium oder im Fernstudium absolvieren. Auch Wirtschaftsrecht wird dual oder in Präsenz angeboten. Die Weiterbildung zum Fachanwalt ist in Vollzeit, Teilzeit oder im Fernunterricht möglich. Für die Fachanwaltsbezeichnung verlangt die Fachanwaltsordnung, dass man innerhalb der letzten sechs Jahre vor der Antragstellung mindestens drei Jahre als Rechtsanwalt zugelassen und tätig war; hinzu kommen ein Fachlehrgang und der Nachweis einer bestimmten Zahl bearbeiteter Fälle.

Dauer

Die Studiendauer hängt vom Studiengang und vom angestrebten Abschluss ab. Ein Bachelor in Sozialer Arbeit oder Wirtschaftsrecht dauert meist sechs bis sieben Semester (rund drei bis dreieinhalb Jahre); bei Sozialer Arbeit ist häufig ein Praxissemester samt staatlicher Anerkennung enthalten. Rechtswissenschaft führt dagegen nicht zu einem Bachelor, sondern zur Ersten Juristischen Prüfung (Staatsexamen) – die Regelstudienzeit liegt je nach Bundesland meist bei neun bis zehn Semestern, gefolgt vom Referendariat als Voraussetzung für die Anwaltszulassung. Ein aufbauender Masterstudiengang umfasst in der Regel zwei bis vier Semester. Die Dauer der Fachanwalts-Weiterbildung richtet sich nach dem gewählten Modell (Vollzeit, Teilzeit, Fernunterricht).

Einsatzbereiche

Nach dem Studium ist die Tätigkeit als Schuldnerberater in verschiedenen Bereichen möglich. Typische Felder sind das Sozialwesen, die Rechtsberatung, die öffentliche Verwaltung sowie Organisationen und Verbände.

Ausblick nach der Ausbildung

Hochschulabsolventen finden eine Anstellung in Kanzleien und Praxen für Schuldnerberatung, bei kommunalen Schuldner- und Insolvenzberatungsstellen, bei Verbraucherzentralen oder bei Trägern der freien Wohlfahrtspflege wie Caritas, Diakonie oder Arbeiterwohlfahrt. Viele der bundesweit anerkannten Beratungsstellen werden von solchen gemeinnützigen Trägern und von Kommunen getragen. Auch die Selbstständigkeit ist möglich – etwa mit einer eigenen Beratungskanzlei oder Schuldnerberatungspraxis.

Fort- und Weiterbildungsmöglichkeiten als Schuldnerberater

Schuldnerberater können sich berufsbegleitend weiterbilden, um fachlich auf dem Laufenden zu bleiben und zusätzliche Qualifikationen zu erwerben. Je nach Schwerpunkt kommen zum Beispiel infrage:

  • Insolvenzrecht und Zwangsvollstreckungsrecht
  • Gesprächsführung
  • Sozialmanagement
  • Interkulturelle Kompetenz
  • Psychologie (spezielle Anwendungsgebiete)

Wer eine Führungsposition anstrebt, kann ein weiterführendes Studium anschließen. Je nach Vorbildung bieten sich etwa an:

  • Wirtschaftsrecht
  • Soziale Arbeit
  • Öffentliches Recht
  • Rechtswissenschaft

Diese Studiengänge lassen sich je nach schulischer oder beruflicher Vorbildung grundständig (mit Bachelorabschluss) oder weiterführend (mit Masterabschluss) absolvieren.

Häufig gestellte Fragen

Welche Voraussetzungen braucht man für den Beruf Schuldnerberater?

In der Regel ein einschlägiges Studium – Soziale Arbeit, Rechtswissenschaft oder Wirtschaftsrecht. Alternativ führt der Weg über ein juristisches Studium mit anschließender Anwaltszulassung und Spezialisierung, etwa als Fachanwalt für Insolvenz- und Sanierungsrecht.

Kann man ohne Studium als Schuldnerberater arbeiten?

Die Berufsbezeichnung „Schuldnerberater“ ist rechtlich nicht geschützt; ein einschlägiges Studium ist aber der übliche Weg, und ein Quereinstieg mit entsprechender Weiterbildung ist grundsätzlich möglich. Wer im Rahmen einer Verbraucherinsolvenz die Bescheinigung nach § 305 InsO ausstellen will, muss allerdings einer vom jeweiligen Bundesland als „geeignete Stelle“ anerkannten Beratungsstelle angehören.

Wie lange dauert die Ausbildung zum Schuldnerberater?

Ein Bachelor in Sozialer Arbeit oder Wirtschaftsrecht dauert meist sechs bis sieben Semester. Ein Jurastudium bis zur Ersten Juristischen Prüfung ist mit neun bis zehn Semestern Regelstudienzeit plus Referendariat deutlich länger. Ein aufbauender Master umfasst zwei bis vier Semester; die Fachanwalts-Weiterbildung erfolgt berufsbegleitend.

Was kostet eine Schuldnerberatung für Betroffene?

Bei anerkannten und gemeinnützigen Stellen – etwa Wohlfahrtsverbänden, Kommunen und Verbraucherzentralen – ist die Beratung für Ratsuchende in der Regel kostenlos, da sie von Ländern und Kommunen bezuschusst wird. Mit Wartezeiten ist allerdings häufig zu rechnen.

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