Klavier- und Cembalobauer – Ausbildung, Fachrichtungen und Berufsbild

Arbeit vom Klavier- und Cembalobauer
lobpreis @ Pixabay

Der Klavier- und Cembalobauer baut, repariert und stimmt Tasteninstrumente. Der Beruf verlangt handwerkliches Geschick in der Bearbeitung von Holz und Metall, technisches Verständnis und vor allem ein gutes Gehör – denn das Stimmen und Intonieren der Instrumente gehört ebenso zum Berufsbild wie ihr Bau. Die duale Ausbildung dauert dreieinhalb Jahre und findet im Ausbildungsbetrieb sowie an der bundesweit einzigen Berufsschule für Klavier- und Cembalobau in Ludwigsburg bei Stuttgart statt.

Ausbildung und Fachrichtungen

Seit der modernisierten Ausbildungsordnung von 2017 gliedert sich der Beruf in zwei Fachrichtungen: Klavierbau und Cembalobau. Die Fachrichtung wird bereits zu Beginn der Ausbildung gewählt, der erste Abschnitt verläuft aber weitgehend gemeinsam.

In der Fachrichtung Klavierbau stellen die Fachkräfte Klaviere und Flügel her, reparieren und stimmen sie. Die Fachrichtung Cembalobau ist deutlich seltener: Das Cembalo gilt als historischer Vorläufer des modernen Klaviers und wird heute nur noch in kleinen Stückzahlen gebaut und gespielt. Hier stehen die Fertigung und Restaurierung von Cembali sowie weiterer historischer Tasteninstrumente wie Klavichord, Spinett, Hammerflügel und Tafelklavier im Mittelpunkt. Entsprechend wenige Auszubildende wählen diese Fachrichtung.

Ablauf der dualen Ausbildung

Ausbildungsbetriebe gibt es in ganz Deutschland, den schulischen Teil übernimmt jedoch nur eine Einrichtung: die Oscar-Walcker-Schule in Ludwigsburg. Dort werden bundesweit auch andere Musikinstrumentenbau-Berufe unterrichtet. Der Unterricht läuft im Blockmodell – mehrere Wochen an der Schule wechseln sich mit längeren Praxisphasen im Betrieb ab.

In der Theorie geht es um Technologie und Werkstoffkunde: die Materialien, aus denen die Instrumente entstehen, sowie ihr Aufbau und ihre Funktionsweise. Die praktische Arbeit findet vor allem im Betrieb statt. Am Anfang steht die Holzbearbeitung, denn der Korpus aus Holz ist sowohl beim Klavier als auch beim Cembalo zentral. Nach und nach durchlaufen die Auszubildenden die verschiedenen Arbeitsbereiche: Resonanzboden, Gussplatte, Besaitung, Hämmer, Mechanik und Tastatur. Am Ende steht das Stimmen und Intonieren des fertigen Instruments – weshalb ein gutes Gehör und musikalisches Grundverständnis so wichtig sind.

Schaubild: Klavier- und Cembalobauer

Dauer und Prüfungen

Die Ausbildung dauert dreieinhalb Jahre, also 42 Monate. Vor dem Ende des zweiten Ausbildungsjahres steht eine Zwischenprüfung an; abgeschlossen wird die Ausbildung im Handwerk mit der Gesellenprüfung. Wie aufwendig die Arbeit ist, zeigt ein Blick auf die Instrumente selbst: Ein Konzertflügel besteht aus rund 12.000 Einzelteilen, und seine Fertigung kann bis zu einem Jahr dauern.

Nach der Ausbildung: Aufgaben und Weiterbildung

Klavier- und Cembalobauer bauen die Instrumente nicht nur, sie stimmen, reparieren und restaurieren sie auch. Je nach Betrieb kommen die Pflege historischer Instrumente oder der Kundenkontakt im Verkauf hinzu. Nach der Gesellenprüfung stehen mehrere Wege offen: eine Weiterbildung zum Industriemeister oder zur Industriemeisterin der Fachrichtung Holz, zum staatlich geprüften Techniker der Holztechnik oder die Meisterprüfung, auf die die Schule in Ludwigsburg gezielt vorbereitet. Wer sich selbstständig machen möchte, kann eine eigene Werkstatt eröffnen oder als freiberuflicher Klavierstimmer arbeiten. Für ein stärker theoretisch ausgerichtetes Profil bietet sich ein Studium im Musikinstrumentenbau an.

Hilfreiche Links und Fachmedien

Bund deutscher Klavierbauer

Der Bund deutscher Klavierbauer e. V. ist der Berufsverband der in Deutschland tätigen Klavierbauerinnen und Klavierbauer. Er stellt Informationen zu Berufsbild, Ausbildung, Weiterbildung und Klavierpflege bereit.

Häufig gestellte Fragen

Wie lange dauert die Ausbildung zum Klavier- und Cembalobauer und wie ist sie aufgebaut?

Die duale Ausbildung dauert dreieinhalb Jahre. Sie wechselt zwischen dem Ausbildungsbetrieb und dem Blockunterricht an der Oscar-Walcker-Schule in Ludwigsburg. Vor Ende des zweiten Ausbildungsjahres findet eine Zwischenprüfung statt, den Abschluss bildet die Gesellenprüfung.

Worin unterscheiden sich die Fachrichtungen Klavierbau und Cembalobau?

Im Klavierbau werden Klaviere und Flügel gebaut, gestimmt und repariert. Der Cembalobau widmet sich der Fertigung und Restaurierung von Cembali und weiteren historischen Tasteninstrumenten und wird deutlich seltener gewählt. Die Fachrichtung wird zu Beginn der Ausbildung festgelegt.

Welche Voraussetzungen und welcher Schulabschluss werden erwartet?

Wichtig sind handwerkliches Geschick, technisches Verständnis, Sorgfalt und ein gutes Gehör. Ein Realschulabschluss gilt als sinnvolle Grundlage; Fachhochschulreife oder Abitur können die Chancen verbessern. Ein bestimmter Schulabschluss ist rechtlich nicht vorgeschrieben.

Welche Weiterbildungs- und Karrierewege gibt es nach der Ausbildung?

Möglich sind unter anderem die Weiterbildung zum Industriemeister Holz oder zum Techniker der Holztechnik, die Meisterprüfung sowie ein Studium im Musikinstrumentenbau. Auch die Selbstständigkeit mit eigener Werkstatt oder als freiberuflicher Klavierstimmer ist ein gängiger Weg.

Wo wurde das erste Steinway-Klavier gebaut?

Die Wurzeln der Marke liegen im Harz: Heinrich Steinweg baute ab 1825 in Seesen Klaviere. Nach seiner Auswanderung nach New York gründete er dort Steinway & Sons – aus dem Namen Steinweg wurde Steinway.