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Berufsbild
Wo Menschen zusammenkommen, entstehen Konflikte. In manchen Situationen hilft es, wenn eine neutrale Person hinzugezogen wird, die die Lage beruhigt und einen Streit wieder in ruhigere Bahnen lenkt. Genau das ist die Aufgabe von Deeskalationscoaches.
Deeskalationscoaches wollen angespannte Situationen beruhigen und Konflikten frühzeitig vorbeugen. Überall dort, wo täglich viele Menschen aufeinandertreffen, können schnell konfliktgeladene Situationen entstehen: In Schulen sind Auseinandersetzungen zwischen Schülern oder zwischen Schülern und Lehrkräften zu schlichten. Auch im Umgang mit psychisch erkrankten Menschen kommt es zu Spannungen, weil verschiedene Krankheitsbilder die Wahrnehmung verändern können.
In Behörden wie Jobcentern oder Bürgerämtern sind ebenfalls immer wieder deeskalierende Eingriffe nötig. Mit erprobten Techniken – allen voran der gewaltfreien Kommunikation nach Marshall B. Rosenberg – gelingt es Deeskalationscoaches, Betroffene zu beruhigen und Gespräche wieder zu öffnen. Rosenbergs Modell arbeitet in vier Schritten: sachliche Beobachtung, das eigene Gefühl, das dahinterliegende Bedürfnis und eine konkrete Bitte.
Ausbildung
Deeskalationscoach ist kein geregelter Ausbildungsberuf, sondern eine Weiterbildung, die auf einem bereits erlernten Beruf aufbaut. Eine bundeseinheitliche Ausbildungsordnung gibt es nicht; Inhalte, Dauer und Abschluss legen die jeweiligen Anbieter fest. Pädagogische Fachkräfte, Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter, Beschäftigte in Behörden, in der Pflege oder im Sicherheitsdienst und weitere Fachkräfte mit viel Menschenkontakt können die Lehrgänge besuchen.
Regelung und Ablauf
Die Anbieter der Weiterbildung setzen auf unterschiedliche Lehrgangsformen. So lässt sich der Lehrgang als Gruppenangebot etwa über „ARA Coachings – Institut für wirksame Kommunikation“ direkt in der eigenen Einrichtung durchführen. Die Teilnehmenden lernen die Methoden der Deeskalation kennen und können zu Multiplikatoren ausgebildet werden, die ihr Wissen anschließend an Kolleginnen und Kollegen weitergeben. Auch das Institut „KonfliktFit“ verbindet die Ausbildung zum Deeskalationscoach mit der Qualifizierung zum Multiplikator. Andere Anbieter vermitteln die Inhalte in Modulen oder per E-Learning. Grundlage ist stets die Wertschätzung des einzelnen Menschen und eine darauf aufbauende Kommunikation. Häufig wird auf dem systemischen Ansatz aufgebaut, dessen Bedeutung für den beruflichen Alltag im Lehrgang erarbeitet wird.
- Inhalt der Kurse sind die verschiedenen Konfliktarten, die Stufen der Eskalation und mögliche Reaktionen der Betroffenen. Als Orientierung dient häufig das Modell der neun Eskalationsstufen nach Friedrich Glasl, das den Verlauf eines Konflikts von der ersten Verhärtung bis zur offenen Konfrontation beschreibt. Verbale und non-verbale Deeskalationstechniken werden eingeübt und an praktischen Beispielen angewendet.
- Ebenso wichtig ist die Prävention von Konflikten. Sicheres Auftreten und die innere Haltung werden bewusst wahrgenommen und eingesetzt, um Konflikte beizulegen oder gar nicht erst entstehen zu lassen.
- Die Teilnehmenden lernen auch sich selbst besser kennen. Die eigene Einstellung ist immer wieder zu überprüfen und die eigenen Grenzen sind zu erkennen, um sich nicht zu überlasten.
- Hinzu kommen rechtliche Grundlagen. Die Begriffe Notwehr und Nothilfe sowie deren Grenzen sollten Deeskalationstrainer kennen. Beide sind in § 32 StGB geregelt; Nothilfe ist dabei der Sonderfall der Notwehr, bei dem nicht die eigene Person, sondern ein Dritter verteidigt wird.
Dauer
Grundlegende Seminare finden meist an zwei bis vier Tagen ganztägig statt. Wer sich zusätzlich zum Multiplikator oder Trainer qualifizieren möchte, muss je nach Anbieter mit rund zwölf Tagen rechnen, die nicht am Stück liegen müssen, sondern über mehrere Monate verteilt sein können.
Abschluss
Die Weiterbildung schließt mit einem Zertifikat des Anbieters ab. Es listet die erlernten Inhalte auf und kann Bewerbungen beigelegt werden. Ein staatlich geschützter Titel ist damit nicht verbunden.
Ausblick nach der Weiterbildung
Mit dem erworbenen Wissen übernehmen Deeskalationscoaches im Unternehmen oder in der Einrichtung eine besondere Rolle. Konflikte lassen sich nie ganz vermeiden – doch wer sie früh erkennt, kann Eskalationen vorbeugen oder entschärfen. Nützlich ist das Wissen zudem im alltäglichen Umgang mit anderen Menschen.
Fort- und Weiterbildungsmöglichkeiten
Die Weiterbildung lässt sich zum Beispiel mit einer Ausbildung zum systemischen Berater ergänzen und mit weiteren Kursen etwa zum Stressmanagement vertiefen.
Weiterführende Links
- KonfliktFit: Ausbildung zum Deeskalationstrainer
- ARA Coachings: Vermittlung von Deeskalationstechniken
Häufig gestellte Fragen
Welche Voraussetzungen braucht man für die Weiterbildung zum Deeskalationscoach?
Eine feste, bundeseinheitliche Zugangsvoraussetzung gibt es nicht. Die Weiterbildung baut auf einem bereits ausgeübten Beruf mit viel Menschenkontakt auf. Typische Teilnehmende sind pädagogische Fachkräfte, Sozialarbeiter, Beschäftigte in Behörden, in der Pflege oder im Sicherheitsdienst.
Was kostet die Weiterbildung zum Deeskalationscoach?
Die Kosten hängen von Anbieter, Umfang und Format ab. Das Institut KonfliktFit weist für seine mehrtägige Trainer- beziehungsweise Multiplikatorenausbildung zum Beispiel rund 3.000 Euro pro Person aus. Teilweise übernehmen Arbeitgeber oder Berufsgenossenschaften die Gebühren.
Wie lange dauert die Weiterbildung?
Grundlagenseminare dauern meist zwei bis vier Tage. Für die zusätzliche Qualifizierung zum Multiplikator oder Trainer sind je nach Anbieter rund zwölf Tage einzuplanen, die über mehrere Monate verteilt sein können.
In welchen Berufsfeldern werden Deeskalationscoaches eingesetzt?
Deeskalationscoaches arbeiten überall dort, wo Menschen unter Druck aufeinandertreffen: in Schulen und der Jugendarbeit, in Jobcentern und Bürgerämtern, in Kliniken und der Psychiatrie, in der Pflege sowie im Sicherheits- und Sozialdienst.
Ist „Deeskalationscoach“ ein geschützter Beruf?
Nein. Es handelt sich nicht um einen staatlich anerkannten Ausbildungsberuf, sondern um eine Weiterbildung mit Anbieter-Zertifikat. Inhalte und Qualität können sich daher zwischen den Anbietern unterscheiden.













