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Versicherungskaufmann ist die gebräuchliche, ältere Bezeichnung für einen kaufmännischen Beruf rund um Versicherungs- und Finanzprodukte. Offiziell heißt der Ausbildungsberuf seit der Neuordnung 2006 „Kaufmann für Versicherungen und Finanzen“ und seit dem 1. August 2022 „Kaufmann/-frau für Versicherungen und Finanzanlagen“. Welche Aufgaben im Alltag anstehen, hängt vor allem davon ab, ob man im Innendienst oder Außendienst arbeitet.
Der Beruf des Versicherungskaufmanns
Innendienst
Im Innendienst stehen Verwaltungs- und Sachbearbeitungsaufgaben im Vordergrund. Dazu gehören die Erfassung und Risikoprüfung von Neuanträgen sowie die laufende Bestandsverwaltung, etwa wenn Kundinnen und Kunden Vertragsänderungen wie Tarifumstellungen wünschen.
Auch die Regulierung von Schadenfällen zählt zum Innendienst: Neben der Veranlassung von Auszahlungen wird bei der Leistungsprüfung mit Sachverständigen und Spezialisten zusammengearbeitet. Je nach Interessengebiet sind Tätigkeiten in Stabsstellen möglich, zum Beispiel im Marketing oder in der internen Revision. Die Bezahlung im Innendienst richtet sich in der Regel nach dem geltenden Tarifvertrag; bei Führungskräften oder hochqualifizierten Fachkräften kann auch eine außertarifliche Vergütung vereinbart werden.
Außendienst
Im Außendienst steht der Vertrieb der Versicherungsprodukte im Mittelpunkt. Grundlage ist eine Bedarfsanalyse, die die private und berufliche Lebenssituation der Kundschaft berücksichtigt. Außendienstmitarbeiter beraten zu passenden Versicherungen, schließen Verträge ab und betreuen die Kundinnen und Kunden anschließend weiter – etwa als erste Ansprechpartner bei Schadenfällen oder Änderungswünschen.
Hinzu kommt die laufende Beratung zu Vertragsanpassungen und neuen Produkten. Die Vergütung im Außendienst ist häufig eine Kombination aus Grundgehalt sowie Abschluss- und Bestandsprovision; die konkrete Höhe hängt von Arbeitgeber, Qualifikation, Region und Erfolg ab.
Der Weg zum Versicherungskaufmann
Vom Versicherungskaufmann zum Kaufmann für Versicherungen und Finanzanlagen
Die frühere Ausbildung zum Versicherungskaufmann wurde 2006 zum „Kaufmann für Versicherungen und Finanzen“ und mit der Neuordnung zum 1. August 2022 zum Kaufmann/-frau für Versicherungen und Finanzanlagen. Die Reform berücksichtigt vor allem die zunehmende Digitalisierung in der Branche. Es handelt sich um eine duale Ausbildung: Die Theorie vermittelt die Berufsschule, die Praxis der Ausbildungsbetrieb im Innen- oder Außendienst.
Inhalte der Ausbildung
Der Berufsschulunterricht findet in der Regel an ein bis zwei Tagen pro Woche statt, teils auch in Blockform über ein bis zwei Wochen am Stück. Inhaltlich geht es unter anderem um:
- Recht (u. a. Versicherungsvertragsgesetz und Bürgerliches Gesetzbuch)
- Wirtschaft (etwa Rechnungswesen und allgemeine Wirtschaftslehre)
- Fachwissen zu den einzelnen Versicherungssparten
- Grundlagen der Kundenberatung
- Mathematik und Deutsch
Mit der Neuordnung 2022 wurden die früheren Fachrichtungen Versicherung und Finanzberatung abgelöst. An ihre Stelle traten Pflicht- und Wahlqualifikationen, die sich an Kunden-Bedarfsfeldern wie Mobilität, Wohnen oder Gesundheit orientieren; hinzu kam die Wahlqualifikation „Digitalisierungsprozesse“. Die Finanzanlage ist heute Teil der Kernqualifikation.
Dauer und Voraussetzungen
Die Ausbildung dauert regulär drei Jahre. Bei guten Leistungen ist eine Verkürzung möglich. Ein bestimmter Schulabschluss ist rechtlich nicht vorgeschrieben; in der Praxis erwarten die Betriebe meist mindestens einen mittleren Schulabschluss, viele Auszubildende bringen (Fach-)Abitur mit.
Prüfungen
Seit der Neuordnung gilt die gestreckte Abschlussprüfung vor der IHK (Industrie- und Handelskammer). Sie ersetzt die frühere Zwischen- und Abschlussprüfung: Teil 1 wird etwa in der Mitte der Ausbildung abgelegt und fließt in die Endnote ein, Teil 2 folgt am Ende und umfasst schriftliche sowie mündliche Bestandteile.
Beschäftigungsmöglichkeiten
Nach dem Abschluss bestehen je nach Schwerpunkt Beschäftigungsmöglichkeiten im Innen- oder Außendienst. Mögliche Arbeitgeber sind Versicherungsunternehmen und Versicherungsvereine, aber auch Makler und Beratungsbüros. Gerade im Außendienst kann zudem der Weg in die Selbständigkeit eine Option sein.
Weiterbildungsmöglichkeiten
Aufbauend auf der Ausbildung sind Weiterbildungen zum Fachwirt und darauf zum Betriebswirt möglich – etwa zum Versicherungsfachwirt, zum Fachwirt für Versicherungen und Finanzen oder zum Versicherungsbetriebswirt. Diese Fortbildungen lassen sich berufsbegleitend absolvieren, schließen mit einer Prüfung ab und bereiten auf Fach- und Führungsaufgaben vor.
Häufig gestellte Fragen
Wie heißt der Beruf Versicherungskaufmann heute offiziell?
„Versicherungskaufmann“ ist die ältere, umgangssprachliche Bezeichnung. Seit der Neuordnung 2006 lautete der offizielle Titel „Kaufmann für Versicherungen und Finanzen“, seit dem 1. August 2022 heißt der Ausbildungsberuf „Kaufmann/-frau für Versicherungen und Finanzanlagen“.
Was ist der Unterschied zwischen Innendienst und Außendienst?
Im Innendienst dominieren Verwaltung und Sachbearbeitung: Antrags- und Risikoprüfung, Bestandsverwaltung und Schadenregulierung. Im Außendienst steht der Vertrieb im Mittelpunkt – von der Bedarfsanalyse über die Beratung bis zum Vertragsabschluss und der laufenden Betreuung der Kundschaft.
Wie lange dauert die Ausbildung und welche Voraussetzungen gelten?
Die duale Ausbildung dauert regulär drei Jahre und kann bei guten Leistungen verkürzt werden. Ein bestimmter Schulabschluss ist gesetzlich nicht vorgeschrieben; in der Praxis erwarten Betriebe meist mindestens einen mittleren Schulabschluss.
Welche Prüfungen muss man ablegen?
Seit der Neuordnung gilt die gestreckte Abschlussprüfung vor der IHK: Teil 1 etwa in der Mitte der Ausbildung, Teil 2 am Ende mit schriftlichen und mündlichen Bestandteilen. Sie hat die frühere Zwischen- und Abschlussprüfung abgelöst.
Welche Weiterbildungsmöglichkeiten gibt es?
Nach der Ausbildung sind Fortbildungen zum Fachwirt (etwa Versicherungsfachwirt) und darauf aufbauend zum Betriebswirt möglich. Sie lassen sich berufsbegleitend absolvieren und bereiten auf Fach- und Führungsaufgaben vor.
Quellen und weiterführende Informationen
- Wikipedia: Kaufmann für Versicherungen und Finanzen
- ausbildung.de: Kaufmann für Versicherungen und Finanzanlagen













