Traumafachberater – Weiterbildung, Voraussetzungen und Berufsbild

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Berufsbild

Traumatisierte und lebensgeschichtlich belastete Menschen müssen große Belastungen bewältigen. Fachkräfte aus pädagogischen, beraterischen und pflegerischen Berufen stoßen in der Arbeit mit ihnen häufig an Grenzen. Die traumazentrierte Fachberatung setzt genau hier an: Sie hilft, die seelischen Folgen von Vernachlässigung, Gewalt, Krieg und Flucht zu verstehen und Betroffene bei deren Verarbeitung zu begleiten.

Im Mittelpunkt steht die Verarbeitung traumatischer Erlebnisse. Kinder, Jugendliche und Erwachsene entwickeln nach traumatischen Erfahrungen Überlebensstrategien, die im Alltag oft als auffällige oder befremdlich wirkende Verhaltensweisen in Erscheinung treten. Ein fachlich geschultes Umfeld kann diese Muster einordnen und professionell darauf reagieren.

Die Weiterbildung zum Traumafachberater vermittelt, wie sich Traumata und ihre Folgestörungen erkennen lassen. Sie befähigt dazu, Auffälligkeiten im Verhalten vor dem Hintergrund von Dynamik und Verlauf der Traumatisierung zu verstehen, und vermittelt Strategien für die pädagogisch-beraterische Begleitung.

Traumafachberater oder Traumatherapeut?

Beide Begriffe werden häufig verwechselt. Traumazentrierte Fachberatung und Traumapädagogik sind beratend und pädagogisch ausgerichtet; sie richten sich an Fachkräfte aus dem psychosozialen Feld und sind keine Heilkunde. Die Traumatherapie beziehungsweise Psychotraumatherapie ist dagegen eine psychotherapeutische Heilbehandlung und approbierten Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten sowie Ärztinnen und Ärzten mit entsprechender Zusatzqualifikation vorbehalten. „Traumafachberater“ ist zudem kein gesetzlich geschützter Titel; die fachliche Qualität wird über anerkannte Curricula gesichert.

Ausbildung

Das Lehrprogramm vermittelt zunächst aktuelle Erkenntnisse der psychotraumatologischen Fachberatung sowie der Forschung zu Bindung, Resilienz und zu den neurowissenschaftlichen Grundlagen. Auf dieser Basis lassen sich die für traumatisierte Menschen überlebensnotwendigen Strategien verstehen und einordnen.

Der Grundlagenteil gibt einen gesicherten Einblick in die komplexen Zusammenhänge traumatischer Beziehungen und ihrer möglichen Auswirkungen auf die Entwicklung des Gehirns und die Kontaktgestaltung. Seelische Störungsbilder und zunächst unverständlich wirkende Verhaltensweisen werden als entwicklungslogische Reaktionen traumatisierter Menschen begreifbar.

Darüber hinaus vermittelt die Weiterbildung wirksame traumapädagogische Interventionen. Ihr Ziel ist es, Betroffene bei der Bewältigung ihrer traumatischen Erfahrungen zu begleiten und sie auf dem Weg zu mehr Selbstwirksamkeit und Selbststeuerung zu unterstützen. Ein sicheres äußeres wie inneres Fundament, verlässliche Beziehungsangebote und passgenaue Kontaktgestaltung gehören dabei zu den zentralen Grundlagen. Selbstreflexion, Methodencoaching und Fallbesprechungen sind fester Bestandteil der Weiterbildung.

Schaubild: Traumafachberater

Aufbau und Module

Die Inhalte gliedern sich typischerweise in aufeinander aufbauende Themenblöcke:

Einführung in die Psychotraumatologie

  • Grundlagen der Psychotraumatologie
  • Trauma: mögliche Folgen und Behandlungswege
  • Das Leben mit Trauma: Fälle aus der Praxis
  • Grundaspekte traumazentrierter Arbeit

Selbsterfahrung und persönliche Reflexion

  • Professionelle Rolle und Haltung in der traumazentrierten Beratung
  • Reflexion von Haltung, Rolle und Biografie

Stabilisierung und Traumaverarbeitung

  • Grundlagen der Stabilisierung traumatisierter Menschen
  • Methoden zur psychischen Stabilisierung und Affektregulation
  • Professioneller Umgang mit Traumaverarbeitungsprozessen
  • Stabilisierende Interventionen in der Praxis

Traumazentrierte Beratung in verschiedenen Kontexten

  • Zentrale Aspekte der traumazentrierten Beratung
  • Verschiedene Settings der traumazentrierten Beratung
  • Umgang mit Akutfällen
  • Kinder und Familien: Grundlagen der pädagogischen Traumaarbeit

Fallanalysen und Selbstreflexion unter Supervision

Umfang und Dauer

Die Weiterbildung wird nach einem gemeinsamen Curriculum der Deutschsprachigen Gesellschaft für Psychotraumatologie (DeGPT) und des Fachverbands Traumapädagogik (FVTP) angeboten. Für die Zertifizierung sind mindestens 150 Unterrichtseinheiten vorgesehen. Wer die Doppelqualifikation für die Arbeit mit Erwachsenen sowie mit Kindern und Jugendlichen anstrebt, absolviert mindestens 180 Unterrichtseinheiten. In der Regel erstreckt sich die Weiterbildung über etwa ein Jahr und umfasst zusätzlich Intervision, Supervision und Fallarbeit. Der genaue Ablauf und die Kosten unterscheiden sich je nach Anbieter.

Voraussetzungen

Die Weiterbildung richtet sich an Fachkräfte aus pädagogischen, beraterischen, psychosozialen und pflegerischen Berufen. Vorausgesetzt werden mindestens ein Jahr Berufserfahrung in einem relevanten psychosozialen Handlungsfeld zu Beginn und mindestens drei Jahre bis zum Abschluss der Weiterbildung. Teilnehmende sollten während der Weiterbildung praktisch mit traumatisierten Menschen arbeiten können.

Abschluss

Nach erfolgreicher Teilnahme wird das Zertifikat „Traumapädagoge/Traumafachberater“ verliehen; es wird gemeinsam von der DeGPT und dem Fachverband Traumapädagogik ausgestellt. Für den Abschluss sind unter anderem die Teilnahme an den Modulen und den Intervisionstreffen sowie die Präsentation und Dokumentation einer Fallarbeit im Abschlusskolloquium verbindlich. Für Fälle, die in Seminaren oder schriftlichen Arbeiten vorgestellt werden, gilt Schweigepflicht.

Ausblick nach der Weiterbildung

Traumafachberater arbeiten angestellt oder selbstständig. Einsatzfelder finden sich vor allem bei folgenden Institutionen:

  • Praxen für Psychotherapie
  • Beratungseinrichtungen
  • Universitätskliniken und Krankenhäuser
  • karitative Dienste
  • Kinder- und Jugendhilfe
  • soziale Institutionen
  • Strafvollzugsanstalten
  • Interessenverbände und Organisationen

Fort- und Weiterbildungsmöglichkeiten im Berufsbild

Eine traumazentrierte Weiterbildung kann für Fachkräfte aus einschlägigen Bereichen der Einstieg in die Arbeit mit traumatisierten Menschen sein. Daneben gibt es weitere sinnvolle Qualifikationen, etwa die Weiterbildung zum Personal-Coach oder zum systemischen Berater.

Häufig gestellte Fragen

Welche Voraussetzungen braucht man für die Weiterbildung zum Traumafachberater?

Die Weiterbildung richtet sich an Fachkräfte aus pädagogischen, beraterischen, psychosozialen und pflegerischen Berufen. Nach dem Curriculum von DeGPT und Fachverband Traumapädagogik werden mindestens ein Jahr Berufserfahrung in einem relevanten psychosozialen Handlungsfeld zu Beginn und mindestens drei Jahre bis zum Abschluss vorausgesetzt.

Wie unterscheidet sich ein Traumafachberater von einem Traumatherapeuten?

Traumazentrierte Fachberatung und Traumapädagogik sind beratend und pädagogisch ausgerichtet und gehören nicht zur Heilkunde. Die Traumatherapie beziehungsweise Psychotraumatherapie ist dagegen eine psychotherapeutische Heilbehandlung, die approbierten Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten sowie Ärztinnen und Ärzten mit Zusatzqualifikation vorbehalten ist.

Wie lange dauert die Weiterbildung und welchen Umfang hat sie?

Das DeGPT/FVTP-zertifizierte Curriculum sieht mindestens 150 Unterrichtseinheiten für die Einzelqualifikation und mindestens 180 Unterrichtseinheiten für die Doppelqualifikation vor. Zeitlich erstreckt sich die Weiterbildung meist über etwa ein Jahr, ergänzt um Intervision, Supervision und Fallarbeit; die konkrete Organisation hängt vom Anbieter ab.

Ist „Traumafachberater“ ein geschützter Titel und wer stellt das Zertifikat aus?

Die Berufsbezeichnung ist nicht gesetzlich geschützt. Die fachliche Qualität wird über anerkannte Curricula gesichert; das Zertifikat „Traumapädagoge/Traumafachberater“ stellen die DeGPT und der Fachverband Traumapädagogik gemeinsam aus.

In welchen Bereichen arbeiten Traumafachberater?

Typische Einsatzfelder sind Beratungsstellen, die Kinder- und Jugendhilfe, Kliniken und Universitätskliniken, karitative und soziale Einrichtungen, Strafvollzugsanstalten sowie Interessenverbände. Eine Tätigkeit ist sowohl angestellt als auch selbstständig möglich.