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Der Orthoptist ist eine Fachkraft der Augenheilkunde. Schwerpunkte sind Diagnostik, Therapie und Prävention von Störungen des ein- oder beidäugigen Sehens sowie des Augenzitterns (Nystagmus) – vor allem in der Strabologie (Schielerkrankungen) und der Neuroophthalmologie (neurologisch bedingte Augenerkrankungen). Zum Hauptklientel zählen Kinder, häufig schon im Kleinkindalter. Weil hier funktionelle Sehstörungen und Sehschwächen früh erkannt und behandelt werden, ist die Untersuchung beim Orthoptisten im Volksmund auch als „Sehschule“ bekannt.
Zu den häufigsten Behandlungsmethoden zählt die Pleoptik, etwa die Okklusionstherapie – das therapeutische Abdecken eines Auges mit einem Pflaster – sowie weitere apparative Verfahren. Anlass für den Gang zum Orthoptisten sind Symptome wie Doppelbilder, Augenmuskellähmungen, augenbedingte Kopffehlhaltungen oder anhaltende Kopfschmerzen. Auch Gutachten zur Feststellung einer Sehbehinderung können – etwa im Auftrag eines Versorgungsamtes – von Orthoptisten erstellt werden. Als eigenes Berufsbild ist die Orthoptik vergleichsweise jung: Mary Maddox gründete 1930 in London die erste Orthoptistenschule.
Ausbildung zum Orthoptisten: Regelung und Ablauf
Die Ausbildung zum Orthoptisten ist ein bundesrechtlich geregelter Gesundheitsfachberuf mit staatlicher Prüfung. Rechtsgrundlage sind das Orthoptistengesetz (OrthoptG) und die Ausbildungs- und Prüfungsverordnung (OrthoptAPrV). Zugangsvoraussetzung sind die gesundheitliche Eignung für den Beruf sowie ein Realschulabschluss oder eine gleichwertige zehnjährige Schulbildung; anerkannt wird auch eine mindestens zweijährige Berufsausbildung nach dem Hauptschulabschluss. Ausgebildet wird an staatlich anerkannten Schulen an Krankenhäusern, die in der Regel an Universitätsaugenkliniken angegliedert sind. Eine stärkere Akademisierung des Berufs streben die Berufsverbände seit Längerem an.
Dauer und Aufbau der Ausbildung
Die Ausbildung dauert drei Jahre und umfasst insgesamt 4.500 Stunden: rund 1.700 Stunden theoretischen und praktischen Unterricht sowie mindestens 2.800 Stunden praktische Ausbildung. Sie endet mit einer staatlichen Prüfung, die aus einem schriftlichen, einem mündlichen und einem praktischen Teil besteht. Wer sie besteht, darf die geschützte Berufsbezeichnung „Orthoptist“ bzw. „Orthoptistin“ führen.
Berufsalltag und Arbeitsorte
Nach der Ausbildung arbeiten Orthoptisten vor allem in Augenarztpraxen sowie in Reha-, Frühförder- und Sehbehinderteneinrichtungen. Meist unterstützen sie niedergelassene Augenärzte bei der Diagnostik und Therapie von Schielerkrankungen und bei der Versorgung von Kindern. Typisch ist die enge Zusammenarbeit mit Fachleuten aus Neurologie, Pädiatrie, Augenoptik und Ergotherapie.
Gegenüber Ärzten sind Orthoptisten weisungsgebunden; sie dürfen zum Beispiel keine Rezepte für Sehhilfen oder Augenpflaster ausstellen. Weil orthoptische Behandlungen meist auf Langzeiterfolge angelegt sind, gehört es zum Beruf, Patientinnen, Patienten und deren Eltern über oft jahrelange Therapien hinweg zur Mitarbeit zu motivieren. Von einer hohen Berufszufriedenheit berichten viele Orthoptisten dennoch. In Deutschland sind rund 2.400 Orthoptisten tätig, ganz überwiegend Frauen.
Fort- und Weiterbildungsmöglichkeiten
Nach der staatlichen Anerkennung ist eine Spezialisierung möglich. Der Berufsverband Orthoptik Deutschland bietet unter anderem Weiterbildungen in den Bereichen „vergrößernde Sehhilfen und Low-Vision-Beratung“, „Neuroorthoptik und visuelle Rehabilitation“ sowie zur Diagnostik und Früherkennung visuell bedingter Entwicklungs- und Lernauffälligkeiten bei Kindern und Jugendlichen an. An der Universität Heidelberg lässt sich die Orthoptik-Ausbildung zudem mit dem Bachelor-Studiengang „Interprofessionelle Gesundheitsversorgung“ verbinden, der mit dem akademischen Grad Bachelor of Science (B. Sc.) abschließt. Möglich ist außerdem die Weiterbildung zum Lehrorthoptisten – hierbei handelt es sich nicht um eine bundeseinheitlich geschützte Berufsbezeichnung, der Berufsverband stellt nach einer entsprechenden Prüfung aber ein Zertifikat aus.
Hilfreiche Links der Berufsverbände der Orthoptik
Berufsverband Orthoptik Deutschland e. V.
International Orthoptic Association
Häufig gestellte Fragen
Welche Voraussetzungen braucht man für die Ausbildung zum Orthoptisten?
Erforderlich sind die gesundheitliche Eignung für den Beruf und in der Regel ein Realschulabschluss oder eine gleichwertige zehnjährige Schulbildung. Anerkannt wird auch eine mindestens zweijährige Berufsausbildung im Anschluss an den Hauptschulabschluss. Grundlage ist das Orthoptistengesetz.
Wie lange dauert die Ausbildung und wie ist die Prüfung aufgebaut?
Die Ausbildung dauert drei Jahre und umfasst 4.500 Stunden – rund 1.700 Stunden theoretischen und praktischen Unterricht und mindestens 2.800 Stunden praktische Ausbildung. Sie endet mit einer staatlichen Prüfung aus schriftlichem, mündlichem und praktischem Teil.
Wie unterscheidet sich der Orthoptist vom Augenarzt?
Der Orthoptist ist kein Arzt, sondern eine spezialisierte Fachkraft in einem Gesundheitsfachberuf. Er arbeitet ärztlich weisungsgebunden und darf beispielsweise keine Rezepte ausstellen. Der Schwerpunkt liegt auf Diagnostik und Therapie von Schielerkrankungen, Sehschwächen und Augenbewegungsstörungen, häufig bei Kindern – meist in enger Zusammenarbeit mit Augenärzten.
Welche Weiterbildungsmöglichkeiten gibt es nach der Ausbildung?
Möglich sind Spezialisierungen des Berufsverbands, etwa in Low-Vision-Beratung oder Neuroorthoptik. Die Ausbildung lässt sich außerdem mit dem Bachelor-Studiengang „Interprofessionelle Gesundheitsversorgung“ (B. Sc.) an der Universität Heidelberg verbinden; zusätzlich ist eine Weiterbildung zum Lehrorthoptisten möglich.













