Orthoptist

newarta @ Pixabay

Der Orthoptist ist eine Fachkraft der Augenheilkunde mit Schwerpunkten in der Diagnostik, Therapie und Prävention bei Störungen des ein- oder beidäugigen Sehens und des Augenzitterns (Nystagmus) in den Bereichen der Strabologie (Schielerkrankungen) und der Neuroophthalmologie (neurologisch bedingte Augenerkrankungen). Zum Hauptklientel des Orthoptisten zählen Kinder, vor allem Kleinkinder. Zum Hauptaufgabengebiet gehören Diagnostik und Behandlung von funktionellen Sehstörungen und Sehschwächen im Kindesalter. Im Volksmund ist die Untersuchung durch den Orthoptisten daher auch als „Sehschule“ bekannt. Zu den häufigsten Behandlungsmethoden zählen die Pleoptik, wie Okklusionstherapien (das therapeutische Abdecken eines Auges mit einem Augenpflaster) und weitere apparative Behandlungen. Symptome, wie Doppelbilder, Augenmuskellähmungen, augenbedingte Kopffehlhaltungen oder anhaltende Kopfschmerzen können den Gang zum Orthoptisten erfordern. Auch die Erstellung von Gutachten zur Feststellung einer Sehbehinderung kann im Auftrag eines Versorgungsamtes angeordnet und von einem Orthoptisten durchgeführt werden. Von Mary Maddox im Jahr 1930 in Großbritannien gegründet, handelt es sich bei der Orthoptik um ein vergleichsweise junges Berufsbild.

Regelung der Ausbildung und Ablauf

Bei der Ausbildung zum Orthoptisten handelt es sich um einen Ausbildungsberuf im Bereich der Gesundheitsfachberufe mit abschließender staatlicher Anerkennung. Die Voraussetzungen sind die gesundheitliche Eignung zur Ausführung des Berufs sowie ein abgeschlossener Realschulabschluss oder eine vergleichbare zehnjährige Schulbildung. Fachschulen für Orthoptik sind in aller Regel an Universitätsaugenkliniken angegliedert. Eine Akademisierung des Berufes in Deutschland wird von führenden Berufsverbänden angestrebt.

Dauer der Ausbildung

Die Ausbildungsdauer beträgt drei Jahre und umfasst 4.500 Ausbildungsstunden (1.700 Stunden theoretische Ausbildung, 2.800 Stunden praktische Ausbildung). Die staatliche Anerkennungsprüfung beinhaltet einen schriftlichen, einen mündlichen und einen praktischen Teil.

Abschluss und Ausblick

Orthoptisten arbeiten nach abgeschlossener Berufsausbildung in Augenarztpraxen sowie in Reha- oder Frühförderzentren für Sehbehinderte. Meist unterstützen sie niedergelassene Augenärzte in deren Praxen in der Diagnostik und Therapie von Schielerkrankungen oder Sehhilfenverordnungen von Kindern und Kleinkindern. Derzeit arbeiten in Deutschland etwa 2.500 Orthoptisten, wobei es sich zumeist um Frauen handelt. Der männliche Anteil liegt unter einer statistisch signifikanten Größenordnung. Eine enge Zusammenarbeit mit fachübergreifendem Personal aus Neurologie, Pädiatrie, Optikern und Ergotherapie ist Teil des täglichen beruflichen Wirkens. Im Vergleich zur orthoptistischen Ausbildung besteht der entsprechende Anteil der augenärztlichen Fachausbildung aus nur 50 Stunden. Dennoch sind Orthoptisten Ärzten gegenüber weisungsgebunden, so dürfen sie beispielsweise nicht selbst Rezepte für Sehhilfen oder Augenpflastern zur Okklusionsbehandlung ausstellen. Die Resultate von orthoptistischen Behandlungen sind in aller Regel Langzeitergebnisse, was die Fähigkeit voraussetzt, den Patienten und gegebenenfalls dessen Eltern oft zu jahrelang anhaltender Compliance zu motivieren. Orthoptisten berichten allgemein dennoch von einer hohen Berufszufriedenheit.

Fort- und Weiterbildungsmöglichkeiten

Im Anschluss an die staatliche Anerkennung zum Orthoptisten ist die Weiterbildung in einigen Spezialgebieten möglich. Der Berufsverband für Orthoptik bietet Spezialisierungen in den Bereichen „vergrößernde Sehhilfen und Low-Vision-Beratung, „Neuroorthoptik und visuelle Rehabilitation sowie „Diagnostik und Früherkennung visuell bedingter Entwicklungs- und Lernauffälligkeiten bei Kindern und Jugendlichen“ an. Weiter bietet die Orthoptistenschule am Universitätsklinikum Heidelberg einen Bachelor-Studiengang für Interprofessionelle Gesundheitsversorgung an, wodurch auch der akademische Grad des Bachelor of Science (B. Sc.) erworben werden kann. Auch die Weiterbildung zum Lehrorthoptisten ist möglich, wobei es sich hierbei nicht um eine bundeseinheitlich geschützte Berufsbezeichnung handelt. Dennoch kann nach einer leitliniengerechten Prüfung durch den Berufsverband der Orthoptisten ein Zertifikat zum Lehrorthoptisten ausgestellt werden.

Hilfreiche Links der Berufsverbände der Orthoptik

https://www.orthoptik.de
https://www.internationalorthoptics.org