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Ein Studienabbruch beendet keine Berufslaufbahn. Wer die Hochschule ohne Abschluss verlässt, hat in Deutschland mehrere gut ausgebaute Wege in den Beruf – von der dualen Ausbildung über das duale Studium bis zum Quereinstieg. Dieser Beitrag ordnet die Jobchancen für Studienabbrecher ein und zeigt, wo es Beratung gibt.
Studienabbruch in Deutschland: die Zahlen
Ein Abbruch ist kein Einzelfall. Nach Berechnungen des Deutschen Zentrums für Hochschul- und Wissenschaftsforschung (DZHW) brechen rund 28 Prozent der Bachelorstudierenden ihr Studium ohne Abschluss ab; die Werte beziehen sich auf die Studienanfängerjahrgänge 2016 und 2017. Dabei gibt es deutliche Unterschiede nach Hochschultyp: An Universitäten liegt die Quote bei etwa 35 Prozent, an Hochschulen für angewandte Wissenschaften bei rund 20 Prozent. In den Geisteswissenschaften an Universitäten bricht fast jede und jeder Zweite ab (rund 49 Prozent).
Viele Abbrüche fallen früh: Nach Angaben des Statistischen Bundesamts gaben 11 Prozent der Studienanfängerinnen und -anfänger des Jahres 2019 ihr Studium bereits in den ersten drei Semestern auf. Wer mit einer beruflichen Hochschulzugangsberechtigung statt mit Abitur startete, brach häufiger früh ab (17 gegenüber 10 Prozent).
Als Gründe gelten vor allem hohe Leistungsanforderungen, Zweifel an der Studienwahl und ein fehlender Praxisbezug – nicht mangelnde Fähigkeit. Genau hier setzen die beruflichen Alternativen an.
Wege nach dem Studienabbruch
Für Studienaussteiger führen mehrere Wege in eine qualifizierte Tätigkeit:
- Duale Berufsausbildung: verbindet Betrieb und Berufsschule und bietet von Anfang an Praxis.
- Duales Studium: kombiniert ein (Fach-)Studium mit betrieblicher Praxis – oft attraktiv für alle, denen im ursprünglichen Studium der Anwendungsbezug fehlte.
- Quereinstieg: direkter Einstieg in einen Betrieb, häufig verbunden mit einer betrieblichen Qualifizierung.
Ein praktischer Vorteil: Wer aus einem fachlich verwandten Studium in eine passende Ausbildung wechselt, kann die Ausbildungszeit häufig verkürzen. Rechtsgrundlage ist § 8 Berufsbildungsgesetz (BBiG). Fachlich einschlägige Studienleistungen im Umfang von mindestens 30 ECTS können eine Verkürzung um bis zu sechs Monate begründen. Über die Verkürzung entscheidet die zuständige Kammer (IHK bzw. HWK); der Ausbildungsbetrieb muss zustimmen. Bei Handwerksberufen ist eine Verkürzung allein wegen Studienleistungen allerdings meist nicht vorgesehen.
Warum Unternehmen Studienabbrecher schätzen
Auf dem von Fachkräftemangel geprägten Arbeitsmarkt sind Studienaussteiger für viele Betriebe interessant. Sie bringen Vorwissen aus dem Studium, Lebenserfahrung und oft eine klare Vorstellung davon mit, was sie beruflich wollen. Besonders in technischen Berufen, in der IT, im Handwerk und im Gesundheitswesen sind die Jobchancen für Studienabbrecher gut. Das duale System hilft dabei, Theorie und Praxis zu verbinden und rasch in verantwortungsvolle Aufgaben hineinzuwachsen.
Praxiserfahrung sammeln
Gerade beim Einstieg ohne Hochschulabschluss zählt praktische Erfahrung. Sie lässt sich auf mehreren Wegen aufbauen:
- Praktika geben Einblick in reale Arbeitsabläufe und helfen beim Aufbau eines Netzwerks.
- Werkstudenten- oder Nebentätigkeiten verbinden erste Berufspraxis mit dem Fachgebiet.
- Ehrenamt oder Projektarbeit zeigt Eigeninitiative und konkrete Fähigkeiten.
Ein Studienabbruch lässt sich so als Neuausrichtung statt als Scheitern gestalten – im Lebenslauf zählt am Ende, was jemand kann.
Beratung und Unterstützung
Für die Neuorientierung gibt es kostenlose Anlaufstellen:
- Die Berufsberatung der Bundesagentur für Arbeit unterstützt bei der Suche nach Ausbildung oder Einstieg.
- IHK und Handwerkskammern beraten zu passenden Ausbildungsberufen und zur möglichen Verkürzung der Ausbildungszeit.
- Das Beratungsnetzwerk Queraufstieg bündelt Beratungsangebote rund um den Studienabbruch. Es ging aus dem vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderten Projekt „Queraufstieg Berlin“ hervor und war in Berlin, Brandenburg, Bremen, Niedersachsen und Sachsen-Anhalt aktiv.
Häufig gestellte Fragen
Wie hoch ist die Studienabbruchquote in Deutschland?
Nach DZHW-Berechnungen für die Studienanfängerjahrgänge 2016/2017 brechen rund 28 Prozent der Bachelorstudierenden ab – an Universitäten etwa 35 Prozent, an Hochschulen für angewandte Wissenschaften rund 20 Prozent. Laut Statistischem Bundesamt gaben 11 Prozent der Anfängerinnen und Anfänger von 2019 schon in den ersten drei Semestern auf.
Kann ich als Studienabbrecher meine Ausbildung verkürzen?
Häufig ja. Nach § 8 BBiG kann die Ausbildungszeit verkürzt werden; fachlich einschlägige Studienleistungen von mindestens 30 ECTS können eine Verkürzung um bis zu sechs Monate begründen. Zuständig ist die jeweilige Kammer, und der Ausbildungsbetrieb muss zustimmen. Im Handwerk ist eine Verkürzung allein wegen Studienleistungen meist nicht möglich.
Welche Ausbildungsberufe eignen sich für Studienabbrecher?
Besonders naheliegend sind Berufe, die zum bisherigen Studienfach passen – etwa der Wechsel aus einem wirtschaftswissenschaftlichen Studium in einen kaufmännischen Beruf oder aus einem Informatikstudium in eine IT-Ausbildung. So lassen sich Vorkenntnisse nutzen und teils anrechnen. Welche Wege konkret passen, klären IHK, Handwerkskammer oder die Berufsberatung.
Welche Beratungsangebote gibt es speziell für Studienabbrecher?
Anlaufstellen sind die Berufsberatung der Bundesagentur für Arbeit, die IHK und Handwerkskammern sowie das Beratungsnetzwerk Queraufstieg. Die Angebote sind kostenlos und helfen bei Orientierung, Bewerbung und der Wahl des passenden Wegs.
Weiterführende Informationen und Beratung
- studis-online.de: Studienabbrecher – wie geht es weiter?
- KOFA: Studienabbrecher als Zielgruppe für Betriebe
- studienabbrecher.com: Informationsportal
- Deutscher Bildungsserver: Studienabbruch
- WiSt / Beck: Aktuelle Grafik zum Studienabbruch (PDF)
- KOWA Leipzig: Clearingtool zur Studienzweifel-Beratung (PDF)
- IW Köln / KOFA-Gutachten: Ausbildung oder Studium (PDF)
- Bundesagentur für Arbeit: Studienabbruch – neue Chancen ergreifen (PDF)
- IHK Nord Westfalen: Studienausstieg
- unistellenmarkt.de: Karriere als Studienabbrecher
- IHK München: Studienabbruch
- Studierendenwerk Bonn: Karriere als Studienabbrecher
- goodjobs.eu: Passenden Job nach Studienabbruch finden
- karrierebibel.de: Praxiserfahrung im Lebenslauf
- studis-online.de: Forum zum Studienabbruch
- stellenanzeigen.de / careeasy: Studienabbrecher – wie geht es weiter?
- Spiegel: Studienabbrecher – wer schmeißt hin und warum?