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Wer gern mit Zahlen arbeitet und Verantwortung im Rechnungswesen übernehmen möchte, findet im Bilanzbuchhalter eine anspruchsvolle Aufstiegsfortbildung. Dieser Beitrag erklärt Berufsbild, Zugangswege, Lehrgänge und den Ablauf der IHK-Prüfung.
Berufsbild Bilanzbuchhalter
Bilanzbuchhalterinnen und Bilanzbuchhalter verfügen über umfassendes Wissen in der Finanzbuchhaltung, der Kosten- und Leistungsrechnung sowie im Handels- und Steuerrecht. Sie erstellen Inventar und Betriebsabrechnungsbögen, bereiten Jahresabschlüsse auf und behalten den Überblick über die wirtschaftliche Lage des Betriebes. Sie arbeiten der Geschäftsführung zu und stehen im Austausch mit Finanzämtern und Steuerberatern. In kleinen und mittleren Unternehmen verantworten sie häufig das gesamte Rechnungswesen.
Weiterbildung: Voraussetzungen und Zugang
Bilanzbuchhalter/in ist kein Ausbildungsberuf, sondern eine bundesweit geregelte Aufstiegsfortbildung. Die Prüfung wird vor einer Industrie- und Handelskammer (IHK) abgelegt; Rechtsgrundlage ist die Fortbildungsprüfungsverordnung von 2020 (BibuBAProFPrV). Seit 2021 führt der Abschluss zusätzlich den Titel „Bachelor Professional in Bilanzbuchhaltung“ und ist im Deutschen Qualifikationsrahmen auf Niveau 6 eingestuft – der gleichen Stufe wie ein Hochschul-Bachelor.
Zur Prüfung zugelassen wird, wer eine der folgenden Voraussetzungen nachweist:
- eine abgeschlossene Prüfung in einem anerkannten kaufmännischen oder verwaltenden Ausbildungsberuf mit dreijähriger Ausbildungsdauer,
- einen wirtschaftswissenschaftlichen Diplom- oder Bachelorabschluss und danach mindestens ein Jahr einschlägige Berufspraxis, oder
- mindestens fünf Jahre einschlägige Berufspraxis.
Die geforderte Berufspraxis muss inhaltlich wesentliche Bezüge zu den Aufgaben eines Bilanzbuchhalters haben und überwiegend im betrieblichen Finanz- und Rechnungswesen erworben worden sein.
Lehrgänge zur Prüfungsvorbereitung
Auf die Prüfung bereiten Lehrgänge unterschiedlicher Anbieter vor – Industrie- und Handelskammern, private Fach- und Fernschulen sowie Volkshochschulen. Je nach Format (Vollzeit, berufsbegleitend als Abend- und Wochenendkurs oder als Fernlehrgang) dauern sie in der Regel rund anderthalb bis drei Jahre; berufsbegleitende Kurse sind zeitlich an die Berufstätigkeit angepasst.
Inhaltlich behandeln die Lehrgänge die Grundlagen des Rechnungswesens und das Erfassen von Geschäftsvorfällen, nationale und internationale Bilanzierungsgrundsätze, die Aufbereitung und Auswertung des Jahresabschlusses sowie die steuerliche Aufbereitung betrieblicher Ergebnisse – etwa für Gewerbesteuererklärung, Umsatzsteuervoranmeldung und Gewinnermittlung. Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf betrieblichen Kennzahlen: Damit werden Investitionsbedarf und Liquidität beurteilt, Finanzierungs- und Kreditmöglichkeiten unter Berücksichtigung von Risiken bewertet und im Controlling frühzeitig Maßnahmen zur Risikovermeidung entwickelt.
Ablauf der IHK-Prüfung
Die Fortbildung endet mit der Prüfung vor der zuständigen Industrie- und Handelskammer. Sie besteht aus einem schriftlichen und einem mündlichen Teil.
Der schriftliche Teil umfasst drei unter Aufsicht zu bearbeitende Aufgabenstellungen mit einer Bearbeitungszeit von jeweils 240 Minuten. Jede Aufgabe stellt einen anderen Handlungsbereich in den Mittelpunkt – etwa das Erfassen von Geschäftsvorfällen und die Aufbereitung von Jahresabschlüssen oder die steuerliche Darstellung betrieblicher Sachverhalte.
Der mündliche Teil besteht aus einer Präsentation (höchstens 15 Minuten) und einem anschließenden Fachgespräch (höchstens 30 Minuten). Das selbst gewählte Präsentationsthema stammt aus dem Handlungsbereich „Jahresabschlüsse aufbereiten und auswerten“.
Ausblick nach der Fortbildung
Nach bestandener Prüfung eröffnen sich vielfältige Einsatzmöglichkeiten. Bilanzbuchhalterinnen und Bilanzbuchhalter gelten wegen ihres breiten Wissens als gefragte Fachkräfte im Rechnungswesen. Über die Fortbildung hinaus bildet der Abschluss – als Bachelor Professional auf DQR-Niveau 6 – auch eine Grundlage für weiterführende Qualifikationen.
Fort- und Weiterbildungsmöglichkeiten
Um fachlich auf dem aktuellen Stand zu bleiben, sind regelmäßige Fortbildungen im Steuerrecht und in angrenzenden Gebieten sinnvoll. Möglichkeiten zur Weiterentwicklung bieten insbesondere die Spezialisierung auf die internationale Rechnungslegung (IFRS) sowie die enge Zusammenarbeit mit Steuerberatern und Controllern.
Weiterführende Links
- Bundesverband der Bilanzbuchhalter und Controller (BVBC): Weiterbildung in internationaler Rechnungslegung
- b.b.h. Bundesverband selbständiger Buchhalter und Bilanzbuchhalter: Weiterbildungen u. a. im Steuerrecht
Häufig gestellte Fragen
Ist Bilanzbuchhalter eine Ausbildung oder eine Weiterbildung?
Es handelt sich um eine bundesweit geregelte Aufstiegsfortbildung mit IHK-Prüfung, nicht um einen dualen Ausbildungsberuf. Der Abschluss trägt seit 2021 zusätzlich den Titel Bachelor Professional in Bilanzbuchhaltung.
Welche Voraussetzungen braucht man für die Bilanzbuchhalter-Prüfung?
Zugelassen wird, wer eine abgeschlossene kaufmännische oder verwaltende Ausbildung (dreijährig) nachweist, alternativ einen wirtschaftswissenschaftlichen Studienabschluss mit mindestens einem Jahr einschlägiger Berufspraxis oder mindestens fünf Jahre einschlägige Berufspraxis. Die Praxis muss überwiegend im Finanz- und Rechnungswesen liegen.
Wie lange dauert die Weiterbildung zum Bilanzbuchhalter?
Das hängt vom gewählten Lehrgang ab. Berufsbegleitende Kurse, Fernlehrgänge und Vollzeitformate dauern in der Regel rund anderthalb bis drei Jahre.
Wie ist die IHK-Prüfung aufgebaut?
Sie besteht aus einem schriftlichen Teil mit drei Aufgabenstellungen von je 240 Minuten und einem mündlichen Teil aus Präsentation (bis 15 Minuten) und Fachgespräch (bis 30 Minuten).
Welche Aufstiegsmöglichkeiten gibt es nach der Weiterbildung?
Nach dem Abschluss sind Spezialisierungen möglich, etwa auf internationale Rechnungslegung (IFRS), Steuerrecht oder Controlling. Als Bachelor Professional (DQR-Niveau 6) bildet die Fortbildung zudem eine Basis für weitere Qualifizierungen.













