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Berufsbild: Was ein Dolmetscher macht
Dolmetscher übertragen gesprochene Sprache mündlich von einer Sprache in eine andere – anders als Übersetzer, die schriftliche Texte bearbeiten. Die Berufsbezeichnung „Dolmetscher“ ist in Deutschland nicht gesetzlich geschützt: Grundsätzlich darf sich jede Person so nennen und auf diesem Gebiet arbeiten, auch ohne Ausbildung oder Studium. Geschützt sind dagegen qualifizierende Titel wie „staatlich geprüfter Dolmetscher“ oder „allgemein beeidigter Dolmetscher“ – sie darf nur führen, wer den entsprechenden Abschluss oder die Beeidigung nachweisen kann.
Ausbildung und Wege in den Beruf
Zum staatlich geprüften Dolmetscher führt in der Regel eine Ausbildung an einer Fachakademie oder Berufsfachschule, die mit der Staatlichen Prüfung abschließt. Je nach Bundesland, Einrichtung und Sprache dauert sie meist zwei bis drei Jahre; an privaten Einrichtungen können Gebühren anfallen. Zu den Ausbildungsinhalten gehören der sichere Umgang mit Fremd- und Muttersprache, Kenntnisse über kulturelle Besonderheiten anderer Sprachräume und die Fähigkeit, auch Fachtexte zielgruppengerecht zu übertragen. Ebenso wird der Umgang mit fachlichen, technischen und sprachlichen Hilfsmitteln geübt.
Ein zweiter Weg führt über die Hochschule. An Universitäten und Fachhochschulen lassen sich Studiengänge rund um Übersetzen und Dolmetschen belegen, etwa mit Bachelor- oder Masterabschluss. Die Regelstudienzeit beträgt beim Bachelor üblicherweise sechs, beim konsekutiven Master vier Semester. Im Studium lassen sich meist Schwerpunkte wählen, zum Beispiel Fachdolmetschen, Konsekutiv- und Simultandolmetschen oder Translationswissenschaft.
Staatliche Prüfung und Beeidigung vor Gericht
Die Staatliche Prüfung setzt nicht zwingend den Besuch eines Lehrgangs voraus. Zugelassen wird auch, wer entsprechende Fremdsprachen- und Fachkenntnisse sowie eine dreijährige Berufspraxis nachweist. Die Prüfung wird nach Landesrecht abgenommen und daher nicht in allen Bundesländern angeboten.
Ein Hochschulabschluss und/oder die bestandene Staatliche Prüfung können als Grundlage für die Beeidigung vor Gericht dienen. Für die allgemeine Beeidigung legen Dolmetscher – je nach Bundesland beim Land- oder Oberlandesgericht – einen Eid ab und weisen ihre persönliche und fachliche Eignung nach. Seit dem 1. Januar 2023 regelt zusätzlich das Gerichtsdolmetschergesetz (GDolmG) die allgemeine Beeidigung für die Gerichte des Bundes; zuständig ist dabei das Oberlandesgericht am Wohnsitz des Dolmetschers (in Berlin das Kammergericht). Ab dem 1. Januar 2028 sollen solche Beeidigungen vor allen Gerichten des Bundes und der Länder gelten. Beeidigte Dolmetscher werden zum Beispiel in Gerichtsverfahren eingesetzt.
Wo Dolmetscher arbeiten
Dolmetscher sind in Übersetzungsbüros, bei Dolmetscherdiensten oder in größeren Wirtschaftsbetrieben tätig. Auch EU-Institutionen wie die Europäische Kommission oder das Europäische Parlament beschäftigen Dolmetscher, ebenso Behörden von Bund und Ländern. Gefragt ist die Sprachmittlung aber längst nicht nur bei Ämtern und in der Wirtschaft: Dolmetscheinsätze gibt es etwa im medizinischen Bereich und in der Psychotherapie, bei Betriebsversammlungen und Dienstbesprechungen, in Verkaufsgesprächen oder bei Bewerbungs- und Beratungsgesprächen.
Häufig gestellte Fragen
Ist die Berufsbezeichnung Dolmetscher gesetzlich geschützt?
Nein. „Dolmetscher“ ist in Deutschland keine geschützte Berufsbezeichnung – grundsätzlich darf jede Person so arbeiten. Geschützt sind nur qualifizierende Zusätze wie „staatlich geprüfter“ oder „allgemein beeidigter“ Dolmetscher, die einen Abschluss oder eine Beeidigung voraussetzen.
Wie lange dauert die Ausbildung zum staatlich geprüften Dolmetscher?
Die Ausbildung an einer Fachakademie oder Berufsfachschule dauert je nach Bundesland, Einrichtung und Sprache meist zwei bis drei Jahre und endet mit der Staatlichen Prüfung. Wer bereits ausreichende Sprach- und Fachkenntnisse mitbringt, kann alternativ mit dreijähriger Berufspraxis direkt zur Prüfung zugelassen werden.
Wie wird man vereidigter Dolmetscher vor Gericht?
Grundlage ist in der Regel ein einschlägiger Hochschulabschluss oder die bestandene Staatliche Prüfung. Auf dieser Basis erfolgt die allgemeine Beeidigung – je nach Bundesland beim Land- oder Oberlandesgericht; für die Bundesgerichte gilt seit 2023 das Gerichtsdolmetschergesetz mit Zuständigkeit des Oberlandesgerichts. Dabei weist man persönliche und fachliche Eignung nach und leistet einen Eid.
Worin unterscheidet sich Dolmetschen vom Übersetzen?
Dolmetscher arbeiten mit gesprochener Sprache und übertragen sie mündlich – etwa konsekutiv (zeitversetzt) oder simultan (nahezu gleichzeitig). Übersetzer bearbeiten dagegen schriftliche Texte. Beide Tätigkeiten verlangen sehr gute Sprach- und Fachkenntnisse, unterscheiden sich aber in Arbeitsweise und Hilfsmitteln.













