Inhaltsverzeichnis

Atem-, Sprech- und Stimmlehrer helfen Menschen dabei, Atmung, Stimme und Sprechen bewusst einzusetzen – therapeutisch, vorbeugend und pädagogisch. Grundlage ihrer Arbeit ist das Konzept nach Schlaffhorst-Andersen, das die Wechselwirkungen zwischen Atmung, Stimme, Sprache und Bewegung gezielt nutzt.
Das Berufsbild
Der Beruf gliedert sich in drei Tätigkeitsfelder: einen medizinisch-therapeutischen, einen präventiven und einen pädagogischen Bereich.
Im medizinisch-therapeutischen Bereich behandeln Atem-, Sprech- und Stimmlehrer Atem-, Sprech-, Sprach-, Stimm- und Schluckstörungen. Sie erstellen einen Befund, beraten die Betroffenen und setzen einen Therapieplan um – Schluckbehandlungen etwa auf ärztliche Verordnung. Im Mittelpunkt stehen der gesunde Einsatz und die Entwicklung der Stimme.
Im präventiven Bereich schulen sie Menschen, die beruflich viel sprechen, und arbeiten an Redegewandtheit und Sprechausdauer. Dazu gehören der Abbau von Sprechhemmungen sowie Atemübungen zum Stressabbau, wie sie auch Kommunikationstrainer vermitteln.
Im pädagogischen Bereich optimieren sie gezielt Atmung und Stimme. Bewerbungstrainings, Unterstützung beim Lesen und in der Rechtschreibung sowie Übungen im Singen und Vorlesen zählen ebenfalls dazu.
Ausbildung zum Atem-, Sprech- und Stimmlehrer
Ablauf und Inhalte
Es handelt sich um eine landesrechtlich geregelte schulische Ausbildung an einer Berufsfachschule. Angeboten wird sie bundesweit nur an der CJD Schule Schlaffhorst-Andersen in Bad Nenndorf (Niedersachsen). Die Inhalte teilen sich in einen theoretischen und einen praktischen Teil.
Zur Theorie gehören wissenschaftliche Fächer wie Anatomie, Psychologie und Pädagogik ebenso wie Deutsch und Musik. Hinzu kommen die Arbeit mit Patientinnen und Patienten, das Erstellen von Befunden und das Planen von Therapien. In der Praxis stehen Einzelunterricht in Sprechen, Gesang und Klavier, Rhythmik und Bewegung sowie ein Praktikum im Vordergrund – zum Beispiel in einer Praxis für Hals-Nasen-Ohrenheilkunde, in der der direkte Kontakt zu den Betroffenen geübt wird.
Dauer
Die Ausbildung dauert drei Jahre und umfasst sechs Semester, darunter ein Praktikumssemester.
Voraussetzungen
Vorausgesetzt werden in der Regel ein mittlerer Schulabschluss (Realschulabschluss) oder Abitur, gesundheitlich belastbare Stimme, Sprache und Gehör (nachzuweisen durch ein phoniatrisches Attest) sowie musikalische Grundkenntnisse. Über die Aufnahme entscheidet eine Aufnahmeprüfung. Die schulische Ausbildung ist seit 2019 schulgeldfrei. Hilfreich sind außerdem Kommunikationsstärke, Einfühlungsvermögen und Freude am Umgang mit Menschen.
Abschluss und Einsatzbereiche
Die Ausbildung endet mit einer staatlichen Prüfung; der Abschluss lautet „Staatlich geprüfte/r Atem-, Sprech- und Stimmlehrer/in“. Anschließend arbeiten die Fachkräfte unter anderem in HNO-Praxen, in Sprach-, Stimm- und Atemtherapiepraxen, in Kliniken und Sanatorien, an Opern- und Schauspielhäusern, bei Rundfunkanstalten, in Unternehmen (betriebliche Gesundheitsvorsorge) sowie an Volkshochschulen. Fort- und Weiterbildungen sind vor allem im Bereich der Stimm-, Sprech- und Sprachtherapie möglich.
Häufig gestellte Fragen
Wie lange dauert die Ausbildung zum Atem-, Sprech- und Stimmlehrer?
Drei Jahre beziehungsweise sechs Semester, von denen eines als Praktikumssemester absolviert wird. Sie schließt mit einer staatlichen Prüfung ab.
Wo wird die Ausbildung angeboten?
Die schulische Ausbildung wird bundesweit ausschließlich an der CJD Schule Schlaffhorst-Andersen in Bad Nenndorf (Niedersachsen) angeboten. Voraussetzung sind in der Regel ein mittlerer Schulabschluss oder Abitur, ein phoniatrisches Attest und eine bestandene Aufnahmeprüfung.
Worin unterscheidet sich der Beruf vom Logopäden?
Beide arbeiten mit Menschen, die Probleme mit Stimme, Sprache oder Sprechen haben. Atem-, Sprech- und Stimmlehrer arbeiten nach dem Konzept Schlaffhorst-Andersen und decken neben der Therapie ausdrücklich auch den präventiven und pädagogischen Bereich ab, etwa Stimm- und Sprechbildung. Die Logopädie ist ein eigenständiger, landesrechtlich geregelter Heilmittelberuf mit eigener Ausbildung.
Welche Weiterbildungsmöglichkeiten gibt es?
Fort- und Weiterbildungen sind vor allem in der Stimm-, Sprech- und Sprachtherapie möglich. Nach der Ausbildung lässt sich außerdem teilweise ein verkürztes Bachelorstudium der Logopädie anschließen.













