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Wer nach der Schule einen berufsqualifizierenden Abschluss anstrebt, steht oft vor der Wahl zwischen einer klassischen dualen Ausbildung und einem dualen Studium. Beide Wege verbinden Theorie und Praxis, unterscheiden sich aber deutlich in Voraussetzungen, Ablauf und Abschluss.
Eine duale Ausbildung findet überwiegend im Ausbildungsbetrieb statt und wird durch den Unterricht in der Berufsschule ergänzt. Beim dualen Studium kommt ein akademischer Abschluss hinzu: Es kombiniert ein Hochschulstudium mit ausgeprägten Praxisphasen im Unternehmen und ist damit praxisnäher als ein rein akademisches Studium.
Vor der Entscheidung lohnt der Blick auf drei Punkte: Welche persönliche und schulische Eignung wird vorausgesetzt, welche Vor- und Nachteile haben beide Wege und wohin soll die berufliche Entwicklung führen?
Voraussetzungen, Vergütung und Ablauf
Für die duale Ausbildung ist rechtlich kein bestimmter Schulabschluss vorgeschrieben – das Berufsbildungsgesetz (BBiG) macht dazu keine Vorgabe. In der Praxis legen die Betriebe ihre Anforderungen jedoch selbst fest: Für kaufmännische Berufe wie Bankkaufmann/-frau erwarten viele Arbeitgeber einen mittleren Abschluss oder das Abitur, in zahlreichen Handwerksberufen genügt häufig ein Haupt- oder Realschulabschluss. Für ein duales Studium ist dagegen eine Hochschulzugangsberechtigung nötig – je nach Hochschule und Studiengang die Fachhochschulreife oder die allgemeine Hochschulreife. Die Auswahl trifft dabei häufig das Partnerunternehmen, nicht allein die Hochschule.
Sowohl in der betrieblichen Ausbildung als auch im dualen Studium zahlt der Betrieb eine Vergütung, sodass ein zusätzlicher Nebenjob in der Regel nicht nötig ist. Wie hoch die Ausbildungsvergütung ausfällt, hängt von Branche, Tarifvertrag, Ausbildungsjahr und Region ab. Dual Studierende tragen häufig eine höhere Doppelbelastung, weil sie parallel Studien- und Praxisleistungen erbringen müssen; eine Ausbildung ist in dieser Hinsicht meist etwas weniger fordernd.
Der Berufsschulunterricht ist unterschiedlich organisiert: Er findet entweder als Teilzeitunterricht an ein bis zwei Tagen pro Woche statt oder als Blockunterricht in mehrwöchigen Abschnitten. Die übrige Zeit verbringen die Auszubildenden im Betrieb.
Hohe Praxisnähe und Karrierechancen
Beide Wege bieten eine deutlich höhere Praxisnähe als ein rein schulisches oder rein akademisches Studium: Was in Berufs- oder Hochschule vermittelt wird, lässt sich direkt im Unternehmen anwenden. In beiden Fällen entsteht eine enge Bindung an den Betrieb, die im günstigen Fall zu einer Übernahme nach dem Abschluss führt.
Ein akademischer Abschluss eröffnet häufig mehr Verantwortungsbereiche und bessere Aufstiegsmöglichkeiten. Aber auch mit einer abgeschlossenen Ausbildung lässt sich über Weiterbildungen und Aufstiegsfortbildungen viel erreichen – der Weg dorthin ist nur oft länger und erfordert mehr Eigeninitiative.
Welche Fächer kann man dual studieren?
Während es für nahezu jeden Bereich eine klassische Ausbildung gibt, wächst auch das Angebot an dualen Studiengängen stetig. Es reicht von BWL über Elektrotechnik, Studiengänge im Gesundheits- und Sozialwesen sowie im Bank- und Finanzwesen bis hin zu Innenarchitektur und Journalistik. Je nach Hochschule werden verschiedene Modelle des dualen Studiums angeboten:
- Ausbildungsintegrierend: verbindet einen anerkannten Ausbildungsberuf (mit Ausbildungsvertrag nach BBiG/HwO) mit einem Studium – am Ende stehen zwei Abschlüsse.
- Praxisintegrierend: ähnelt einem klassischen Studium, bindet aber längere Praxisphasen im Unternehmen ein; eine vorherige Berufsausbildung ist nicht nötig.
- Berufsintegrierend: kombiniert ein Studium mit einer fachlich passenden Teilzeittätigkeit und richtet sich an Berufstätige.
- Berufsbegleitend: findet neben einer Berufstätigkeit statt und dient der Weiterbildung; eine abgeschlossene Berufsausbildung ist hier Voraussetzung.
Bei ausbildungs- und praxisintegrierten Modellen wechseln sich Theoriephasen an der Hochschule und Praxisphasen im Betrieb ab. Berufsbegleitende und berufsintegrierende Formen finden dagegen neben einer bestehenden Berufstätigkeit statt.
Welcher Weg der richtige ist, hängt zunächst von den mitgebrachten Voraussetzungen ab – den schulischen wie den persönlichen. Ebenso entscheidend ist der Blick auf den weiteren beruflichen Werdegang:
- Welche Karrierechancen habe ich, und wie weit möchte ich meine Karriere vorantreiben?
- Führt mich dieser Weg zu meinem persönlichen Ziel?
- Welche Weiterbildungsmöglichkeiten habe ich nach Abschluss der Ausbildung oder des Studiums?
Diese Fragen lassen sich nicht pauschal beantworten – sie hängen von der konkreten Berufswahl, dem Studiengang und der Hochschule ab.
Häufig gestellte Fragen
Was ist der Unterschied zwischen klassischer Ausbildung und dualem Studium?
Die klassische duale Ausbildung kombiniert Betrieb und Berufsschule und schließt mit einem anerkannten Ausbildungsberuf ab. Das duale Studium verbindet ein Hochschulstudium mit Praxisphasen im Unternehmen und führt zusätzlich zu einem akademischen Abschluss (meist Bachelor), bei ausbildungsintegrierten Modellen sogar zu zwei Abschlüssen.
Welchen Schulabschluss brauche ich?
Für die duale Ausbildung schreibt das BBiG keinen bestimmten Schulabschluss vor; die Anforderungen legen die Betriebe fest. Für ein duales Studium ist eine Hochschulzugangsberechtigung erforderlich – die Fachhochschulreife oder die allgemeine Hochschulreife.
Wie ist der Berufsschulunterricht organisiert?
Der Unterricht erfolgt entweder als Teilzeitunterricht an ein bis zwei Tagen pro Woche oder als Blockunterricht in mehrwöchigen Abschnitten. Die übrige Zeit arbeiten die Auszubildenden im Betrieb.
Welche Formen des dualen Studiums gibt es?
Unterschieden werden vor allem ausbildungsintegrierende, praxisintegrierende, berufsintegrierende und berufsbegleitende Studiengänge. Die ersten beiden richten sich an die Erstausbildung, die anderen beiden an Berufstätige mit bereits abgeschlossener Ausbildung oder einschlägiger Tätigkeit.