Orthopädieschuhmacher: Ausbildung, Aufgaben und Weiterbildung

Orthopädieschuhmacher fertigt orthopädischen Schuh an der Werkbank
Hans @ Pixabay

Orthopädieschuhmacher und Orthopädieschuhmacherinnen stellen orthopädische Heil- und Hilfsmittel für Menschen mit Fußbeschwerden her und passen sie individuell an. Solche Hilfsmittel gleichen körperliche Beschwerden aus – etwa Fehlbelastungen, Lähmungen und Lähmungsfolgen, Versteifungen, Wachstumsstörungen, Fehlbildungen oder fehlende Körperteile wie einzelne Zehen. Zum Spektrum gehören orthopädische Maßschuhe, Innenschuhe, orthopädische Zurichtungen an Konfektionsschuhen, Bandagen sowie Maßeinlagen.

Vor der Fertigung nehmen die Fachkräfte eine Anamnese auf, vermessen die Füße und fertigen häufig ein Gipsmodell an, das anschließend mit Harz ausgegossen wird. Moderne Analyseverfahren wie die Fußdruckmessung oder der Fußabdruck per Computer-Scan sowie neuere Fertigungstechniken wie die Computerfräse erweitern das Tätigkeitsprofil zunehmend.

Der Beruf ist ein Handwerksberuf, der Kenntnisse in Anatomie und Medizin voraussetzt. Zu den Aufgaben zählen außerdem die Kundenberatung und der Verkauf.

Ausbildung zum Orthopädieschuhmacher

Die staatlich anerkannte Berufsausbildung erfolgt dual: Die Theorie wird in der Berufsschule vermittelt, die Praxis im Ausbildungsbetrieb. In der Ausbildung lernen die Auszubildenden, Fußfehlstellungen zu beurteilen, Kundinnen und Kunden zu beraten und passgenaue Lösungen für deren Füße zu entwickeln.

Rechtliche Regelung und Ablauf

Grundlage ist die Verordnung über die Berufsausbildung zum Orthopädieschuhmacher und zur Orthopädieschuhmacherin (OrthopschuhmAusbV), die seit dem 1. August 2015 gilt und bundesweit einheitliche Regeln setzt. Die zu vermittelnden Fertigkeiten, Kenntnisse und Fähigkeiten richten sich nach dem Ausbildungsrahmenplan der Verordnung. Dazu gehören unter anderem die Beurteilung von Anatomie, Physiologie und Pathologie der Stütz- und Bewegungsorgane, das Anmessen orthopädieschuhtechnischer Hilfsmittel, die Anfertigung von Einlagen sowie die Planung und Vorbereitung von Arbeitsabläufen.

Die Gesellenprüfung besteht aus zwei Teilen: Teil 1 findet am Ende des zweiten Ausbildungsjahres statt, Teil 2 am Ende der Berufsausbildung.

Dauer der Ausbildung

Die Ausbildung dauert dreieinhalb Jahre (42 Monate). Unter bestimmten Voraussetzungen kann sie auf Antrag verkürzt oder verlängert werden.

Schaubild: Orthopädieschuhmacher/in

Abschluss der Ausbildung

Orthopädieschuhmacher ist ein zulassungspflichtiges Handwerk und in Anlage A der Handwerksordnung (HwO) geführt – als eines der Gesundheitshandwerke. Die Gesellenprüfung wird daher vor der Handwerkskammer abgelegt. Geprüft werden praktische Fertigkeiten und theoretische Kenntnisse; zusätzlich ist ein Gesellenstück anzufertigen.

Die Gesellenprüfung umfasst die Prüfungsbereiche Anfertigung von orthopädieschuhtechnischen Hilfsmitteln, Beratung, Orthopädieschuhtechnik sowie Wirtschafts- und Sozialkunde.

Ausblick nach der Ausbildung

Fertige Gesellinnen und Gesellen arbeiten in Fachbetrieben des Orthopädieschuhmacher-Handwerks, in Sanitätshäusern mit orthopädieschuhtechnischer Abteilung sowie in Kliniken und Rehabilitationseinrichtungen. Auch die industrielle Herstellung orthopädischer Schuhe bietet Beschäftigungsmöglichkeiten.

Fort- und Weiterbildungsmöglichkeiten

Für die berufliche Weiterentwicklung gibt es mehrere Wege:

  • Seminare, Lehrgänge und Fachkongresse
  • Aufstiegsfortbildung, etwa zum Techniker der Fachrichtung Schuhtechnik
  • ein Studium im Bereich Orthopädie- und Rehatechnik

Außerdem lässt sich die Meisterprüfung ablegen. Der Meisterbrief ist im zulassungspflichtigen Handwerk grundsätzlich Voraussetzung, um einen eigenen Betrieb zu führen und Lehrlinge auszubilden. Einen umfassenden Überblick über weiterführende Angebote in der technischen Orthopädie bietet die Fachzeitschrift Orthopädieschuhtechnik in ihrem Überblick zu Fort- und Weiterbildungsmöglichkeiten.

Orthopädieschuhmacher im Vergleich

Füße vermessen, Einlagen und orthopädische Maßschuhe anfertigen und Kundschaft mit Fußproblemen beraten.

Weg in den Beruf
Duale Ausbildung, 3,5 JahreAusbildungsordnung vom 16.07.2015
Prüfung
gestreckte Abschlussprüfung (Teil 1 + Teil 2)
Einstieg ohne Abitur
ja
Neue Ausbildungsverträge 2024
210Platz 100 von 184 Ausbildungsberufen, die berufe.eu vorstellt
Frauenanteil bei den Neuen
53 %Mittelwert (Median) dieser Berufe: 20 %
Schulabschluss der Neuen
ohne Abschluss 1 % · Hauptschule 21 % · mittlerer Abschluss 46 % · (Fach-)Abitur 29 % · Ausland 3 %Abitur-Anteil im Mittelfeld der Berufe
Später Einstieg
7 % der Neuen sind 30 oder älterMedian: 2 %
Abschlussprüfung bestanden
91 %Median: 92 % · Prüfungen 2024: 132
Vorzeitig gelöste Verträge
37 je 100 neue Verträgeeigene Näherung aus Destatis-Zahlen 2024 · Median: 32

Passt der Beruf zu dir?

  • Handwerk & Technik prägend
  • Menschen & Beratung deutlich
  • Gestaltung gelegentlich
  • Zahlen & Organisation gelegentlich
  • Draußen & Natur kaum
  • Körperlicher Einsatz gelegentlich
  • Verantwortung deutlich
  • Ungewöhnliche Arbeitszeiten kaum

Passt, wenn du …

  • hilft Menschen mit Beschwerden
  • arbeitet gern mit Leder
  • ist handwerklich genau

Eher schwierig, wenn du …

  • mag keinen Kontakt zu Füßen
  • möchte nur verkaufen

Ähnliche Berufe: Änderungsschneider · Kürschner · Sattler · Maßschneider · Kfz-Mechatroniker

Quellen: Passungsprofil: redaktionelle Bewertung von berufe.eu; Ausbildungszahlen: Statistisches Bundesamt (Destatis), Berufsbildungsstatistik 2024; Ränge, Mediane und Näherungen: eigene Berechnung; Ausbildungsordnung: gesetze-im-internet.de.

Häufig gestellte Fragen

Welcher Schulabschluss wird für die Ausbildung vorausgesetzt?

Ein bestimmter Schulabschluss ist rechtlich nicht vorgeschrieben. Welche Voraussetzungen ein Betrieb erwartet, ist unterschiedlich – die Anforderungen reichen vom Hauptschulabschluss bis zu höheren Abschlüssen. Wichtiger als der Abschluss sind meist handwerkliches Geschick und technisches Verständnis.

Wie lange dauert die Ausbildung und wie ist sie aufgebaut?

Die duale Ausbildung dauert dreieinhalb Jahre (42 Monate) und findet parallel in Berufsschule und Ausbildungsbetrieb statt. Grundlage ist die OrthopschuhmAusbV.

Wie läuft die Gesellenprüfung ab?

Die Gesellenprüfung ist in zwei Teile gegliedert: Teil 1 wird am Ende des zweiten Ausbildungsjahres abgelegt, Teil 2 am Ende der Ausbildung. Geprüft wird vor der Handwerkskammer in den Bereichen Anfertigung orthopädieschuhtechnischer Hilfsmittel, Beratung, Orthopädieschuhtechnik sowie Wirtschafts- und Sozialkunde; hinzu kommt ein Gesellenstück.

Worin unterscheiden sich Orthopädieschuhmacher und Orthopädietechnik-Mechaniker?

Beide sind Gesundheitshandwerke der Anlage A. Orthopädieschuhmacherinnen und Orthopädieschuhmacher sind auf den Fuß spezialisiert und fertigen orthopädische Schuhe, Zurichtungen und Einlagen. Orthopädietechnik-Mechaniker versorgen den gesamten Körper und stellen unter anderem Prothesen, Orthesen und Bandagen her.

Wer ist für den Beruf geeignet?

Gut geeignet sind Menschen mit handwerklichem Geschick, technischem Verständnis, genauer Beobachtungsgabe und sorgfältiger Arbeitsweise. Hilfreich sind außerdem Freude an Beratung und Verkauf sowie ein gewisses Maß an Einfühlungsvermögen.