Inhaltsverzeichnis

Feuerwehrmann oder Feuerwehrfrau zu werden, steht bei vielen schon im Kindesalter auf der Wunschliste. Der Weg dorthin führt aber über ein anspruchsvolles Auswahlverfahren. Die Feuerwehren in Deutschland sind stark ehrenamtlich getragen: Zum Stichtag 31. Dezember 2023 gehörten ihnen insgesamt über 1,45 Millionen Menschen an, davon rund 1,03 Millionen als aktive Kräfte in den Freiwilligen Feuerwehren. Hauptberuflich arbeiten vergleichsweise wenige – die 114 Berufsfeuerwehren zählten rund 39.500 hauptamtliche Kräfte. Alle handeln nach dem Grundsatz Retten – Bergen – Löschen – Schützen.
Der Beruf verlangt körperlich wie seelisch viel und bringt Einsatzkräfte regelmäßig an ihre Grenzen. Ein Menschenleben zu retten oder in einer Notlage zu helfen, setzt ein hohes Maß an Verantwortungsbewusstsein, Belastbarkeit und Teamfähigkeit voraus.
Das Aufgabenfeld reicht dabei weit über das Feuerlöschen hinaus. Dazu gehören unter anderem: technische Hilfeleistung bei Verkehrsunfällen oder nach Erdbeben, die Rettung von Menschen, Tieren und Sachwerten aus Gefahrensituationen, Hilfe bei Überschwemmungen, Erdrutschen oder Lawinen, Höhenrettung – nicht nur am Berg, sondern zum Beispiel auch an Windkraftanlagen –, Such- und Bergungstauchgänge sowie vorbeugender Brandschutz und Brandschutzerziehung.
Voraussetzungen und Qualifikation
Eine der wichtigsten Voraussetzungen ist die körperliche und seelische Gesundheit. Weil der Beruf zeitweise körperliche Höchstleistung erfordert, wird die sogenannte Feuerwehrdiensttauglichkeit in einer arbeits- bzw. amtsärztlichen Untersuchung genau geprüft. Dazu zählen unter anderem ausreichendes Sehvermögen und körperliche Belastbarkeit; die genauen Grenzwerte legen die Feuerwehren im Rahmen der ärztlichen Untersuchung fest.
Beim schulischen Zugang gilt: Für den klassischen Einstieg in den mittleren feuerwehrtechnischen Dienst genügt ein Hauptschulabschluss – allerdings in Verbindung mit einer abgeschlossenen, mindestens zweijährigen Berufsausbildung, bevorzugt aus dem handwerklich-technischen Bereich. Eine solche abgeschlossene Berufsausbildung zählt weiterhin zum Goldstandard. Ein Führerschein der Klasse B ist erforderlich; je nach Feuerwehr muss er bereits bei der Bewerbung vorliegen oder kann bis zum Ende der Ausbildung erworben werden. Gefragt sind außerdem ein Schwimmnachweis (etwa ein Schwimmabzeichen) sowie der Nachweis sportlicher Eignung, zum Beispiel über ein Sportzertifikat, das dem Deutschen Feuerwehr-Fitness-Abzeichen entspricht. Eine vorhandene Ausbildung als Rettungssanitäter wirkt sich positiv aus, weil sie ein grundsätzliches Interesse an Hilfeleistung erkennen lässt. Wer eine höherwertige Schulbildung mitbringt, kann sich für den gehobenen oder höheren Dienst bewerben und damit für spätere Leitungsfunktionen qualifizieren.
Bewerbung: Stadt, Werkfeuerwehr oder Flughafen
Wer sich für den Beruf interessiert, hat bei der Bewerbung die Qual der Wahl: Neben den städtischen Berufsfeuerwehren bilden auch große Unternehmen eigene Einsatzkräfte in Werkfeuerwehren aus – bundesweit gab es Ende 2023 rund 728 Werkfeuerwehren, etwa an Flughäfen sowie in der Chemieindustrie und bei Autoherstellern. Die Vor- und Nachteile möglicher Arbeitgeber sollten vor der Bewerbung recherchiert werden, denn eine spätere Verbeamtung ist nur im öffentlichen Dienst möglich.
Auswahlverfahren Schritt für Schritt
Das Auswahlverfahren der Feuerwehren ist umfangreich und setzt Bewerberinnen und Bewerber früh unter Druck. In der Regel verteilt es sich auf mehrere Tage und umfasst einen Sport- bzw. Praxistest, einen schriftlichen (häufig computergestützten) Test, ein strukturiertes Auswahlgespräch und eine arbeitsmedizinische Untersuchung. Die genauen Inhalte variieren stark, weil jede Feuerwehr ihr Verfahren eigenständig gestaltet. Entsprechend gibt es umfangreiches Vorbereitungsmaterial und Coachingangebote, die die Chancen gegenüber den zahlreichen Mitbewerbern verbessern sollen.
Beim Sporttest werden die Bewerber über mehrere Disziplinen hinweg getestet – unter anderem Kraft, Ausdauer, Schnelligkeit, Gleichgewichtssinn, Reaktionsvermögen, Koordination sowie Schwimm- und Tauchfähigkeit.
Der schriftliche Teil hängt in Umfang und Inhalt von der angestrebten Laufbahn ab. Typische Aufgabenfelder sind: deutsche Rechtschreibung und Grammatik, Mathematik, logisches Denken, technisches Verständnis, räumliches Vorstellungsvermögen, Konzentrationsfähigkeit, Allgemeinwissen sowie Aufgaben zu Belastbarkeit und Stressresistenz.
Das Auswahlgespräch ist meist strukturiert aufgebaut. Nach einer Vorstellung geht es um den bisherigen Lebensweg, die Berufsmotivation und die Karrierewünsche. Häufig wird gefragt, wie sich die Bewerber den Berufsalltag vorstellen. All das dient auch dazu, die sozialen Kompetenzen einzuschätzen.
Sind die vorherigen Teile bestanden, folgt die ärztliche Untersuchung. Hier wird die Diensttauglichkeit – auch mit Blick auf eine mögliche Verbeamtung – sehr genau überprüft. Dass Bewerber an diesem Punkt ausscheiden, kommt durchaus vor; deshalb ist es sinnvoll, die eigene gesundheitliche Eignung vorab realistisch einzuschätzen.
Ausbildung und Vorbereitungsdienst
Die Grundausbildung findet im Wechsel an einer Feuerwehrschule und auf der Feuerwache statt. Der Vorbereitungsdienst im mittleren feuerwehrtechnischen Dienst dauert je nach Bundesland und Feuerwehr in der Regel etwa 18 Monate – so etwa bei der Berliner Feuerwehr und der Feuerwehr Frankfurt – und findet im Beamtenverhältnis auf Widerruf statt. Die Ausbildungsinhalte orientieren sich an den Feuerwehr-Dienstvorschriften und sind für Freiwillige wie Berufsfeuerwehrleute in den Grundzügen vergleichbar. Dazu gehören Basislehrgang, Einsatztraining, technische Ausbildung, Führungsgrundlagen und Spezialtrainings, wie sie zum Beispiel bei Flughafenfeuerwehren nötig sind.
Ausblick: Verbeamtung und Aufstieg
Nach erfolgreicher Ausbildung besteht die Aussicht auf eine Verbeamtung im öffentlichen Dienst. Es gibt klar geregelte Aufstiegs- und Weiterbildungsmöglichkeiten sowie Spezialeinheiten wie Taucher, Bootsführer oder Höhenretter. Auch ein Karriereweg als Leitstellendisponent oder als Ausbilder auf der Wache ist möglich.
Häufig gestellte Fragen
Welche Voraussetzungen braucht man für die Berufsfeuerwehr?
Für den klassischen Einstieg in den mittleren Dienst genügt ein Hauptschulabschluss in Verbindung mit einer abgeschlossenen, mindestens zweijährigen Berufsausbildung, bevorzugt aus dem handwerklich-technischen Bereich. Hinzu kommen ein Führerschein der Klasse B, ein Schwimmnachweis, der Nachweis sportlicher Eignung sowie die gesundheitliche Feuerwehrdiensttauglichkeit. Die genauen Anforderungen unterscheiden sich je nach Bundesland und Feuerwehr.
Wie läuft der Einstellungstest bei der Feuerwehr ab?
Das Auswahlverfahren verteilt sich meist auf mehrere Tage und umfasst einen schriftlichen (oft computergestützten) Test, einen Sport- und Praxistest, ein strukturiertes Auswahlgespräch und eine arbeitsmedizinische Untersuchung. Die konkreten Inhalte legt jede Feuerwehr selbst fest.
Wie lange dauert die Ausbildung zum Feuerwehrmann?
Der Vorbereitungsdienst im mittleren feuerwehrtechnischen Dienst dauert je nach Bundesland in der Regel etwa 18 Monate und wechselt zwischen Feuerwehrschule und Feuerwache. Er findet im Beamtenverhältnis auf Widerruf statt.
Welche Aufstiegs- und Spezialisierungsmöglichkeiten gibt es?
Mit entsprechender Vorbildung stehen der gehobene und höhere Dienst offen. Daneben gibt es Spezialisierungen etwa als Taucher, Höhenretter oder Bootsführer sowie Wege in die Leitstelle oder in die Ausbildung auf der Wache.