Notarfachangestellte/r: Aufgaben und Ausbildung im Notariat

Notarfachangestellte bei der Arbeit im Notariat
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Notarfachangestellte unterstützen Notarinnen und Notare bei der Beurkundung von Rechtsgeschäften und übernehmen zugleich die kaufmännischen und organisatorischen Aufgaben im Notariat. Typische Anlässe für eine notarielle Beurkundung sind der Kauf von Haus oder Wohnung, Eheverträge, Testamente oder Vorsorgevollmachten.

Aufgaben eines Notarfachangestellten

Zu den notariellen Dienstleistungen zählt vor allem das Beurkunden von Rechtsgeschäften. Notarfachangestellte nehmen Beurkundungsaufträge an, führen Vorgespräche mit den beteiligten Parteien und bereiten Entwürfe von Urkunden und anderen Schriftstücken vor. In Handels- und Grundstücksregisterangelegenheiten übernehmen sie einen großen Teil der Korrespondenz mit Mandanten und Gerichten. Hinzu kommen organisatorische und kaufmännische Aufgaben wie das Überwachen von Terminen, das Führen von Akten und das Abrechnen von Notarkosten.

Wo Notarfachangestellte arbeiten

Notarfachangestellte sind vor allem in Notariaten beschäftigt. Ein weiteres typisches Arbeitsumfeld sind Rechtsanwaltskanzleien, die mit einem Notariat verbunden sind (Anwaltsnotariat).

Die Ausbildung zum Notarfachangestellten

Notarfachangestellte/r ist nach dem Berufsbildungsgesetz (BBiG) ein bundesweit staatlich anerkannter Ausbildungsberuf im Bereich der Freien Berufe. Grundlage ist die ReNoPat-Ausbildungsverordnung, die seit dem 1. August 2015 gilt und die Ausbildung gemeinsam mit den verwandten Berufen regelt. Die Ausbildung dauert drei Jahre und verläuft dual: Sie findet sowohl im ausbildenden Betrieb als auch in der Berufsschule statt. Einen bestimmten Schulabschluss schreibt die Verordnung nicht vor; in der Praxis stellen Notariate häufig Bewerberinnen und Bewerber mit mittlerem Schulabschluss oder Abitur ein.

Schaubild: Notarfachangestellte/r

Erstes Ausbildungsjahr

Im ersten Jahr lernen Auszubildende die Grundlagen der Büroorganisation kennen: Akten und Schriftstücke auffinden und ablegen, Termine überwachen und Besucher empfangen. Dazu kommt ein erster Überblick über die Zweige der Gerichtsbarkeit und die Aufgaben von Gerichten wie Registergericht, Nachlassgericht oder Grundbuchamt.

Zweites Ausbildungsjahr

Im zweiten Jahr rücken das Erstellen von Kostenrechnungen und das Beglaubigen von Abschriften in den Mittelpunkt. Außerdem befassen sich die Auszubildenden mit der Bedeutung der Register und mit Grundzügen des bürgerlichen Rechts.

Drittes Ausbildungsjahr

Im dritten Jahr geht es unter anderem darum, Vertragsentwürfe zu erstellen sowie Themen wie Erbfolge und Erbschein zu bearbeiten.

Zwischen- und Abschlussprüfung

Zu Beginn des zweiten Ausbildungsjahres findet eine Zwischenprüfung statt; sie dient dazu, den Ausbildungsstand festzustellen. Die Abschlussprüfung gliedert sich in fünf Prüfungsbereiche: Geschäfts- und Leistungsprozesse, Beteiligtenbetreuung, Rechtsanwendung im Notarbereich, Kosten sowie Wirtschafts- und Sozialkunde. Die meisten Bereiche werden schriftlich anhand fallbezogener Aufgaben geprüft; im Bereich Beteiligtenbetreuung kommt ein fallbezogenes Fachgespräch hinzu.

Notarfachangestellte/r im Vergleich

Bereitet Kaufverträge und Urkunden vor, vereinbart Beurkundungstermine und reicht Anträge beim Grundbuchamt ein.

Weg in den Beruf
Duale AusbildungAusbildungsordnung vom 29.08.2014
Prüfung
Zwischen- und Abschlussprüfung
Einstieg ohne Abitur
ja
Neue Ausbildungsverträge 2024
504Platz 75 von 184 Ausbildungsberufen, die berufe.eu vorstellt
Frauenanteil bei den Neuen
83 %Mittelwert (Median) dieser Berufe: 20 %
Schulabschluss der Neuen
Hauptschule 4 % · mittlerer Abschluss 39 % · (Fach-)Abitur 55 % · Ausland 1 %mehr Abiturienten als bei drei von vier Berufen
Abschlussprüfung bestanden
94 %Median: 92 % · Prüfungen 2024: 492
Vorzeitig gelöste Verträge
20 je 100 neue Verträgeeigene Näherung aus Destatis-Zahlen 2024 · Median: 32

Passt der Beruf zu dir?

  • Handwerk & Technik kaum
  • Menschen & Beratung deutlich
  • Gestaltung kaum
  • Zahlen & Organisation prägend
  • Draußen & Natur kaum
  • Körperlicher Einsatz kaum
  • Verantwortung deutlich
  • Ungewöhnliche Arbeitszeiten kaum

Passt, wenn du …

  • formuliert Urkunden genau
  • mag klare Abläufe
  • bleibt diskret

Eher schwierig, wenn du …

  • sitzt ungern viel
  • findet Rechtsvorschriften trocken

Ähnliche Berufe: Rechtsanwaltsfachangestellte · Justizfachwirt · Sozialversicherungsfachangestellter · Verwaltungsfachangestellter · Verwaltungswirt

Quellen: Passungsprofil: redaktionelle Bewertung von berufe.eu; Ausbildungszahlen: Statistisches Bundesamt (Destatis), Berufsbildungsstatistik 2024; Ränge, Mediane und Näherungen: eigene Berechnung; Ausbildungsordnung: gesetze-im-internet.de.

Häufig gestellte Fragen

Welche Voraussetzungen braucht man für die Ausbildung zum Notarfachangestellten?

Rechtlich ist kein bestimmter Schulabschluss vorgeschrieben. Wichtig sind Sorgfalt, Diskretion, ein gutes sprachliches Ausdrucksvermögen und Interesse an rechtlichen Zusammenhängen. In der Praxis bevorzugen viele Notariate einen mittleren Schulabschluss oder das Abitur.

Wie läuft die Ausbildung ab und wie lange dauert sie?

Die duale Ausbildung dauert drei Jahre und wechselt zwischen Notariat und Berufsschule. Zu Beginn des zweiten Jahres steht eine Zwischenprüfung an, am Ende die Abschlussprüfung mit schriftlichen, fallbezogenen Aufgaben und einem Fachgespräch.

Welche Weiterbildungsmöglichkeiten gibt es nach der Ausbildung?

Nach einiger Berufserfahrung ist die Fortbildung zum Geprüften Notarfachwirt bzw. zur Geprüften Notarfachwirtin möglich, die auf leitende und organisatorische Aufgaben im Notariat vorbereitet. Diese Fortbildung wird schrittweise von neuen Stufen abgelöst, dem Geprüften Berufsspezialisten für das Notariat und dem Bachelor Professional im Notariat.

Worin unterscheidet sich der Beruf vom Rechtsanwaltsfachangestellten?

Beide Berufe beruhen auf derselben Ausbildungsverordnung, unterscheiden sich aber im Schwerpunkt: Rechtsanwaltsfachangestellte arbeiten in Anwaltskanzleien und unterstützen bei der Mandatsbearbeitung, bei Fristen und in der Zwangsvollstreckung. Notarfachangestellte sind im Notariat tätig und auf die Vorbereitung von Beurkundungen, Urkunden sowie Grundbuch- und Registerangelegenheiten spezialisiert.