Notarfachangestellte/r: Aufgaben und Ausbildung im Notariat

Notarfachangestellte bei der Arbeit im Notariat
Tama66 / Pixabay

Notarfachangestellte unterstützen Notarinnen und Notare bei der Beurkundung von Rechtsgeschäften und übernehmen zugleich die kaufmännischen und organisatorischen Aufgaben im Notariat. Typische Anlässe für eine notarielle Beurkundung sind der Kauf von Haus oder Wohnung, Eheverträge, Testamente oder Vorsorgevollmachten.

Aufgaben eines Notarfachangestellten

Zu den notariellen Dienstleistungen zählt vor allem das Beurkunden von Rechtsgeschäften. Notarfachangestellte nehmen Beurkundungsaufträge an, führen Vorgespräche mit den beteiligten Parteien und bereiten Entwürfe von Urkunden und anderen Schriftstücken vor. In Handels- und Grundstücksregisterangelegenheiten übernehmen sie einen großen Teil der Korrespondenz mit Mandanten und Gerichten. Hinzu kommen organisatorische und kaufmännische Aufgaben wie das Überwachen von Terminen, das Führen von Akten und das Abrechnen von Notarkosten.

Wo Notarfachangestellte arbeiten

Notarfachangestellte sind vor allem in Notariaten beschäftigt. Ein weiteres typisches Arbeitsumfeld sind Rechtsanwaltskanzleien, die mit einem Notariat verbunden sind (Anwaltsnotariat).

Die Ausbildung zum Notarfachangestellten

Notarfachangestellte/r ist nach dem Berufsbildungsgesetz (BBiG) ein bundesweit staatlich anerkannter Ausbildungsberuf im Bereich der Freien Berufe. Grundlage ist die ReNoPat-Ausbildungsverordnung, die seit dem 1. August 2015 gilt und die Ausbildung gemeinsam mit den verwandten Berufen regelt. Die Ausbildung dauert drei Jahre und verläuft dual: Sie findet sowohl im ausbildenden Betrieb als auch in der Berufsschule statt. Einen bestimmten Schulabschluss schreibt die Verordnung nicht vor; in der Praxis stellen Notariate häufig Bewerberinnen und Bewerber mit mittlerem Schulabschluss oder Abitur ein.

Schaubild: Notarfachangestellte/r

Erstes Ausbildungsjahr

Im ersten Jahr lernen Auszubildende die Grundlagen der Büroorganisation kennen: Akten und Schriftstücke auffinden und ablegen, Termine überwachen und Besucher empfangen. Dazu kommt ein erster Überblick über die Zweige der Gerichtsbarkeit und die Aufgaben von Gerichten wie Registergericht, Nachlassgericht oder Grundbuchamt.

Zweites Ausbildungsjahr

Im zweiten Jahr rücken das Erstellen von Kostenrechnungen und das Beglaubigen von Abschriften in den Mittelpunkt. Außerdem befassen sich die Auszubildenden mit der Bedeutung der Register und mit Grundzügen des bürgerlichen Rechts.

Drittes Ausbildungsjahr

Im dritten Jahr geht es unter anderem darum, Vertragsentwürfe zu erstellen sowie Themen wie Erbfolge und Erbschein zu bearbeiten.

Zwischen- und Abschlussprüfung

Zu Beginn des zweiten Ausbildungsjahres findet eine Zwischenprüfung statt; sie dient dazu, den Ausbildungsstand festzustellen. Die Abschlussprüfung gliedert sich in fünf Prüfungsbereiche: Geschäfts- und Leistungsprozesse, Beteiligtenbetreuung, Rechtsanwendung im Notarbereich, Kosten sowie Wirtschafts- und Sozialkunde. Die meisten Bereiche werden schriftlich anhand fallbezogener Aufgaben geprüft; im Bereich Beteiligtenbetreuung kommt ein fallbezogenes Fachgespräch hinzu.

Häufig gestellte Fragen

Welche Voraussetzungen braucht man für die Ausbildung zum Notarfachangestellten?

Rechtlich ist kein bestimmter Schulabschluss vorgeschrieben. Wichtig sind Sorgfalt, Diskretion, ein gutes sprachliches Ausdrucksvermögen und Interesse an rechtlichen Zusammenhängen. In der Praxis bevorzugen viele Notariate einen mittleren Schulabschluss oder das Abitur.

Wie läuft die Ausbildung ab und wie lange dauert sie?

Die duale Ausbildung dauert drei Jahre und wechselt zwischen Notariat und Berufsschule. Zu Beginn des zweiten Jahres steht eine Zwischenprüfung an, am Ende die Abschlussprüfung mit schriftlichen, fallbezogenen Aufgaben und einem Fachgespräch.

Welche Weiterbildungsmöglichkeiten gibt es nach der Ausbildung?

Nach einiger Berufserfahrung ist die Fortbildung zum Geprüften Notarfachwirt bzw. zur Geprüften Notarfachwirtin möglich, die auf leitende und organisatorische Aufgaben im Notariat vorbereitet. Diese Fortbildung wird schrittweise von neuen Stufen abgelöst, dem Geprüften Berufsspezialisten für das Notariat und dem Bachelor Professional im Notariat.

Worin unterscheidet sich der Beruf vom Rechtsanwaltsfachangestellten?

Beide Berufe beruhen auf derselben Ausbildungsverordnung, unterscheiden sich aber im Schwerpunkt: Rechtsanwaltsfachangestellte arbeiten in Anwaltskanzleien und unterstützen bei der Mandatsbearbeitung, bei Fristen und in der Zwangsvollstreckung. Notarfachangestellte sind im Notariat tätig und auf die Vorbereitung von Beurkundungen, Urkunden sowie Grundbuch- und Registerangelegenheiten spezialisiert.