Fern- oder Abendstudium neben dem Beruf erfolgreich meistern

Erwachsener lernt abends am Schreibtisch mit Laptop, Büchern und Notizen
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Ein Studienabschluss neben Beruf oder Familie ist machbar, verlangt aber gute Planung. Ein Fern- oder Abendstudium bietet dafür den passenden Weg. Bevor es losgeht, sollten Sie jedoch drei Dinge klären: die Zugangsvoraussetzungen, den realistischen Zeitaufwand und die eigene Belastbarkeit.

Voraussetzungen für ein Fern- oder Abendstudium

Für ein Studium brauchen Sie in der Regel eine Hochschulzugangsberechtigung, also Abitur oder Fachhochschulreife. Wer keine schulische Zugangsberechtigung besitzt, kann als beruflich qualifizierte Person dennoch studieren. Grundlage ist ein Beschluss der Kultusministerkonferenz aus dem Jahr 2009.

  • Allgemeiner Hochschulzugang: Wer eine Aufstiegsfortbildung abgeschlossen hat – etwa als Meisterin oder Meister, Fachwirtin oder Fachwirt oder staatlich geprüfte Technikerin oder Techniker –, darf grundsätzlich jedes Fach studieren.
  • Fachgebundener Zugang: Mit einer mindestens zweijährigen Berufsausbildung und mindestens drei Jahren einschlägiger Berufserfahrung ist ein fachlich nahes Studium möglich. Einige Bundesländer verlangen zusätzlich eine Eignungsprüfung oder ein Probestudium.

Da der Hochschulzugang Ländersache ist, unterscheiden sich die Anforderungen je nach Bundesland. Gerade Fernhochschulen und Angebote mit geringem Präsenzanteil kommen für beruflich Qualifizierte häufig infrage.

Abitur nachholen über den zweiten Bildungsweg

Fehlt die Zugangsberechtigung und greift der berufliche Weg nicht, lässt sich das Abitur über den zweiten Bildungsweg nachholen. Die Bundesagentur für Arbeit nennt dafür mehrere Möglichkeiten:

  • Abendgymnasium: berufsbegleitend, mit Unterricht am Abend; je nach Vorbildung rund drei bis vier Jahre.
  • Kolleg: Unterricht tagsüber in Vollzeit – hier steigen Sie in der Regel vorübergehend aus dem Beruf aus.
  • Externen- oder Nichtschülerprüfung: Vorbereitung im Selbststudium oder in speziellen Lehrgängen.

Viele Abläufe ähneln denen eines Fernstudiums: eigenständiges Lernen, Prüfungsvorbereitung und die Vereinbarkeit mit dem Beruf. Der Aufwand wird dabei oft unterschätzt – gerade die Zahl der Prüfungsfächer sorgt für zusätzliche Herausforderungen.

Schaubild: Fernstudium und zweiter Bildungsweg

Den Zeitaufwand realistisch einplanen

Der wichtigste Erfolgsfaktor neben dem Beruf ist ein gutes Zeitmanagement. Ein Fernstudium in Teilzeit kostet spürbar Zeit: Die FernUniversität in Hagen – die einzige staatliche Fernuniversität in Deutschland – rechnet einen Leistungspunkt (ECTS) mit rund 30 Arbeitsstunden pro Semester. Für ein Teilzeitpensum von etwa 15 ECTS pro Semester ergeben sich daraus rechnerisch rund 20 Stunden Lernzeit pro Woche. Je nach Anbieter und Prüfungsphase liegt der Aufwand für berufsbegleitende Fernstudiengänge meist zwischen etwa 15 und 30 Stunden wöchentlich.

Planen Sie feste Lernzeiten ein und halten Sie auch zwischen den Klausuren regelmäßig Kontakt zum Stoff. Vor Prüfungen braucht selbst ein effizienter Lerner mehrere Tage gezielter Vorbereitung. Wer zusätzlich voll arbeitet, muss an mehreren Stellschrauben drehen, um alles unter einen Hut zu bekommen.

Motivation und Unterstützung

Anders als in der Schule gibt es kaum Druck von außen – der Antrieb muss von innen kommen. Klären Sie vorab ehrlich, ob Sie der Doppelbelastung gewachsen sind: Ein Fern- oder Abendstudium ist kein „Studium light“, sondern führt zu einem vollwertigen Abschluss. Hilfreich ist der Zusammenschluss mit Gleichgesinnten, die vor denselben Aufgaben stehen. Lerngruppen sorgen für gegenseitige Motivation und Kontrolle und verbessern die Chance, das Ziel tatsächlich zu erreichen – als Grundlage für die weitere berufliche Laufbahn.

Häufig gestellte Fragen

Welche Voraussetzungen brauche ich für ein Fern- oder Abendstudium?

In der Regel eine Hochschulzugangsberechtigung, also Abitur oder Fachhochschulreife. Ohne schulische Zugangsberechtigung können beruflich Qualifizierte nach dem KMK-Beschluss von 2009 studieren: mit einer Aufstiegsfortbildung (etwa Meister, Fachwirt oder Techniker) meist ohne Fachbindung, mit Berufsausbildung plus mehrjähriger Berufserfahrung fachgebunden. Die genauen Regeln legen die Bundesländer fest.

Wie viel Zeit muss ich wöchentlich für ein Fernstudium neben dem Beruf einplanen?

Je nach Anbieter und Prüfungsphase sind für ein Teilzeit-Fernstudium meist rund 15 bis 30 Stunden pro Woche realistisch. Die FernUniversität in Hagen nennt für ein Pensum von etwa 15 ECTS pro Semester einen Richtwert von rund 20 Stunden pro Woche.

Was kostet ein Fernstudium im Vergleich zu einem Präsenzstudium?

Die Kosten hängen stark vom Anbieter ab. An der staatlichen FernUniversität in Hagen fallen vergleichsweise geringe Gebühren an, private Fernhochschulen verlangen deutlich höhere Studiengebühren als ein staatliches Präsenzstudium. Das Abitur über den zweiten Bildungsweg an öffentlichen Abendgymnasien oder Kollegs ist dagegen in der Regel gebührenfrei. Vergleichen Sie die Angebote vor der Anmeldung genau.

Wie kann ich Abitur, Beruf und Fernstudium miteinander vereinbaren?

Meist nacheinander: Zuerst die fehlende Hochschulzugangsberechtigung über den zweiten Bildungsweg erwerben, zum Beispiel berufsbegleitend am Abendgymnasium, danach das Fern- oder Abendstudium aufnehmen. In beiden Phasen sind feste Lernzeiten, eine realistische Wochenplanung und der Rückhalt von Arbeitgeber und Umfeld entscheidend.