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Als im Frühjahr 2020 die Schulen schlossen, wurde digitales Lernen praktisch über Nacht vom Randthema zur wichtigsten Unterrichtsform. Ab dem 13. März 2020 stellten nach und nach alle Bundesländer den Präsenzunterricht ein; die zunächst auf zwei Wochen befristete Schließung dauerte faktisch rund zwei Monate, bis die Schulen ab Anfang Mai schrittweise wieder öffneten. Viele Schülerinnen und Schüler – und ihre Eltern – waren plötzlich auf sich gestellt und mussten sich Lerninhalte selbst erschließen. Digitale Lernplattformen haben von dieser Entwicklung profitiert und sind seither fester Bestandteil des Lernalltags geblieben.
Wie groß der Schub war, zeigt eine Elternbefragung des Digitalverbands Bitkom aus dem Frühjahr 2021: 91 Prozent der befragten Elternhäuser wurden während der Schulschließungen von digitalen Unterrichtsangeboten erreicht – 83 Prozent per Videokonferenz und 65 Prozent über Lernplattformen. Der Umgang mit solchen Angeboten gehört damit längst zum Schulalltag, nicht nur zum Ausnahmezustand.
Vielfältige Angebote und Lernformen
Wenn ein Schüler nicht weiterweiß und weder Eltern noch Mitschüler helfen können, führt der Weg oft ins Internet. Das Angebot an digitalen Lernplattformen ist breit gefächert und qualitativ sehr unterschiedlich. Es reicht von text- und bildbasierten Erklärseiten über interaktive Übungen und Quiz-Formate bis zu Video-Tutorials. Gerade Videos und interaktive Elemente können Inhalte anders vermitteln als ein Schulbuch: Geometrische Zusammenhänge – etwa das Verhältnis zwischen den Katheten und der Hypotenuse eines Dreiecks – lassen sich animiert oft anschaulicher darstellen als auf einer statischen Seite.
Der Vorteil liegt in der Vielfalt der Zugänge: Wer mit einer Erklärung nicht zurechtkommt, findet zum selben Thema meist eine andere Darstellung, ein anderes Tempo oder ein anderes Medium. Lerninhalte lassen sich so wiederholen und im eigenen Rhythmus durcharbeiten – etwas, das im Takt des Klassenunterrichts nicht immer möglich ist.
Schwarze Schafe erkennen und Medienkompetenz schulen
So nützlich die Vielfalt ist, so groß ist das Problem der fehlenden Qualitätssicherung. Bei der Menge an Angeboten sind auch schwarze Schafe dabei, die Sachverhalte oberflächlich oder fehlerhaft behandeln oder vor allem etwas verkaufen wollen. Anders als in der Schule fehlt eine verlässliche, vertrauenswürdige Auswahl der Materialien – die einordnende Autorität der Lehrkraft ist online nicht automatisch vorhanden.
Genau hier können Schülerinnen und Schüler jedoch etwas lernen, das weit über den einzelnen Unterrichtsstoff hinausreicht: Medienkompetenz. Wer einschätzt, welchen Quellen zu trauen ist, wer hinter einem Angebot steht und wo verdeckte Interessen im Spiel sind, entwickelt eine Fähigkeit, die in Studium, Ausbildung und Beruf gefragt ist. Digitale Lernplattformen ersetzen den regulären Unterricht nicht, aber sie vermitteln Inhalte auf kreative Weise und fördern selbstständiges, kritisches Lernen – Kompetenzen, die sonst oft zu kurz kommen.
Häufig gestellte Fragen
Welche digitalen Lernplattformen sind für Schüler empfehlenswert?
Eine pauschal „beste“ Plattform gibt es nicht – geeignet ist, was zu Fach, Klassenstufe und Lehrplan passt. Als vergleichsweise verlässlich gelten die Lernplattform der eigenen Schule, Angebote von Bildungseinrichtungen und öffentlich-rechtlichen Sendern sowie Materialien etablierter Schulbuchverlage. Sinnvoll ist es, ein Angebot kurz zu testen und zu prüfen, ob es zum aktuellen Stoff passt.
Wie erkennt man unseriöse oder fehlerhafte Lernangebote?
Anhaltspunkte sind ein fehlendes oder unklares Impressum, keine erkennbaren Autoren oder Quellen, auffällig viel Werbung und ein starker Verkaufsfokus. Im Zweifel hilft es, dieselbe Erklärung mit einer zweiten, unabhängigen Quelle abzugleichen – widersprechen sich die Angaben, ist Vorsicht geboten.
Können digitale Lernplattformen den klassischen Unterricht dauerhaft ersetzen?
Nach heutigem Stand nicht. Sie sind eine Ergänzung, kein Ersatz: Rückfragen, individuelles Feedback und der soziale Austausch in der Klasse fehlen. Auch während der Schulschließungen wurden Lernplattformen meist zusätzlich zum Video- und Präsenzkontakt mit Lehrkräften genutzt, nicht an deren Stelle.
Wie können Schüler ihre Medienkompetenz beim Online-Lernen verbessern?
Indem sie Quellen bewusst prüfen, mehrere Darstellungen vergleichen, Behauptungen hinterfragen und ihr eigenes Lernen strukturieren – etwa mit festen Zeiten, klaren Zielen und Pausen. Diese Routine macht selbstständiges Lernen wirksamer und überträgt sich auf spätere Ausbildung und Beruf.