Fernstudium neben dem Beruf: Schwierigkeiten und Chancen

Berufstätige Person lernt abends am Laptop neben dem Beruf
kaboompics / Pixabay

Wer bereits im Beruf steht und trotzdem einen höheren Abschluss oder eine Weiterbildung anstrebt, muss dafür nicht kündigen. Ein Fernstudium neben dem Beruf lässt sich mit dem Job vereinbaren – es verlangt aber eine ehrliche Planung von Zeit, Kosten und Belastbarkeit.

Flexibilität – der größte Vorteil

Ein Fernstudium bietet viel Freiheit bei der Zeiteinteilung. Präsenzveranstaltungen gibt es nur wenige oder gar keine, sodass sich der Lernstoff in den eigenen Terminkalender einbauen lässt. Ob früh vor der Arbeit, am Abend nach Feierabend oder am Wochenende gelernt wird, entscheiden Studierende selbst. Gleichzeitig sammeln sie im Job weiter Berufserfahrung – und auch eine Fort- oder Weiterbildung während der Elternzeit ist auf diesem Weg möglich.

Zeitaufwand realistisch einplanen

Flexibel heißt nicht wenig: Für ein berufsbegleitendes Fernstudium sollten Studierende im Schnitt mit rund 12 bis 20 Stunden Lernzeit pro Woche rechnen, in Prüfungsphasen auch mehr. Weil neben dem Beruf nur ein Teil der Woche fürs Studium bleibt, dauert es in der Regel länger als die Regelstudienzeit eines Vollzeitstudiums – ein Bachelor ist in Vollzeit auf sechs Semester angelegt, berufsbegleitend fällt die Studiendauer entsprechend länger aus.

Das erfordert Disziplin und Selbstorganisation. Wer die Übungseinheiten früh und regelmäßig bearbeitet, gerät kurz vor den Klausuren seltener in Zeitnot. Hilfreich ist es, sich feste Lernziele zu setzen und einen bewussten Ausgleich zwischen Job, Studium und Erholung einzuplanen.

Schaubild: Fernstudium vs. Präsenzstudium

Kosten und Vertrag vor der Einschreibung prüfen

Die Studienkosten unterscheiden sich stark. Staatliche Fernhochschulen sind meist günstig, private Anbieter verlangen deutlich höhere Gebühren, bieten dafür aber oft speziellere Studiengänge. Wer die Finanzierung vor der Einschreibung klärt – etwa eine mögliche Beteiligung des Arbeitgebers – vermeidet spätere Überraschungen.

Bei nicht-akademischen Fernlehrgängen lohnt zudem ein Blick auf die Zulassung: Zulassungspflichtige Fernlehrgänge müssen von der Staatlichen Zentralstelle für Fernunterricht (ZFU) geprüft und zugelassen sein; ein Vertrag ohne diese Zulassung ist unwirksam. Das Fernunterrichtsschutzgesetz sichert Teilnehmenden darüber hinaus ein 14-tägiges Widerrufsrecht und ein ordentliches Kündigungsrecht zu.

Wie anerkannt ist der Abschluss?

Entscheidend für den Wert eines Fernstudiums ist nicht die Studienform, sondern die Akkreditierung. Ist der Studiengang akkreditiert und die Hochschule staatlich anerkannt, ist der Abschluss rechtlich gleichwertig mit einem Präsenzabschluss – im Zeugnis wird nicht vermerkt, ob im Fernstudium oder in Präsenz gelernt wurde. Der Nachweis fachlicher Praxis, den Fernstudierende nebenbei sammeln, kommt hinzu.

Vorteile gegenüber dem Präsenzstudium

Der größte Pluspunkt ist die parallele Berufserfahrung: Wer neben dem Studium arbeitet, kann bei späteren Bewerbungen fachliche Praxis vorweisen, auf die viele Personalverantwortliche mindestens so viel Wert legen wie auf den Notendurchschnitt. Ein Fernstudium fördert zudem selbstständiges Arbeiten und Zeitmanagement. Und es eignet sich gut, um sich beruflich neu zu orientieren, ohne den Job aufzugeben. Ob die Studienform zu einem passt, klärt vorab eine Checkliste zum Fernstudium.

Häufig gestellte Fragen

Was kostet ein Fernstudium neben dem Beruf?

Das hängt stark von Hochschule und Abschluss ab. Staatliche Fernhochschulen sind meist günstig, private Anbieter verlangen höhere Gebühren. Studierende sollten Vertrag und Gesamtkosten vor der Einschreibung genau prüfen und mögliche Zuschüsse – etwa vom Arbeitgeber – einplanen.

Wie lange dauert ein berufsbegleitendes Fernstudium?

In der Regel länger als ein Vollzeitstudium, weil neben dem Beruf weniger Lernzeit bleibt. Ein Bachelor ist in Vollzeit auf sechs Semester angelegt; berufsbegleitend fällt die Studiendauer entsprechend länger aus und richtet sich nach dem individuellen Lerntempo.

Ist ein Fernstudienabschluss vollwertig anerkannt?

Ja, sofern der Studiengang akkreditiert und die Hochschule staatlich anerkannt ist. Der Abschluss ist dann rechtlich gleichwertig mit einem Präsenzabschluss. Bei nicht-akademischen Fernlehrgängen sollte man auf die ZFU-Zulassung achten.

Wie lässt sich ein Fernstudium mit Vollzeitjob und Familie vereinbaren?

Mit realistischer Planung: rund 12 bis 20 Stunden Lernzeit pro Woche fest einplanen, Aufgaben regelmäßig statt kurz vor der Klausur bearbeiten und Prüfungsphasen mit erhöhtem Aufwand berücksichtigen. Feste Routinen und ein bewusster Ausgleich helfen, die Doppelbelastung durchzuhalten.