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Die Postkorbübung im Assessment-Center
Viele Unternehmen prüfen Bewerber schon vor dem eigentlichen Vorstellungsgespräch. Wer sich auf eine Stelle oder einen Ausbildungsplatz bewirbt, wird deshalb oft zu einem sogenannten Assessment-Center eingeladen. Dahinter steckt ein Einstellungstest, mit dem der Arbeitgeber herausfinden möchte, ob ein Bewerber den Anforderungen gewachsen ist. Neben Vorstellungsrunde, schriftlichem Test und Gruppenrollenspielen gehört immer häufiger auch die Postkorbübung zum Programm.
Aufgabe in der Postkorbübung
In der Postkorbübung schlüpfen die Kandidaten in die Rolle einer Führungs- oder Fachkraft, die unter Zeitdruck einen vollen Posteingang abarbeiten muss. Der „Postkorb“ besteht häufig aus zehn bis zwanzig Poststücken – Notizen, E-Mails, Terminanfragen und Aktenvermerken. Die fiktive Person ist während der Bearbeitung nicht erreichbar, sodass alle Entscheidungen allein zu treffen sind.
Die eigentliche Aufgabe: für jeden Vorgang entscheiden, wie er zu behandeln ist. Man kann Punkte selbst erledigen, delegieren, verschieben oder Termine koordinieren. Kompliziert wird es, weil Fristen und Abhängigkeiten zwischen den Vorgängen zu beachten sind – ein Termin hängt zum Beispiel von einer Zusage ab, die erst eingeholt werden muss. Die Bearbeitungszeit ist knapp bemessen und liegt meist unter einer Stunde. Viele Unternehmen setzen die Übung heute in elektronischer Form am Computer ein.
Ziel der Postkorbübung
Die Personalverantwortlichen wollen sehen, ob Bewerber auch unter Stress strukturiert arbeiten. Die Vorgänge sind bewusst lang und unübersichtlich formuliert, die entscheidenden Angaben stehen ungeordnet im Text. Häufig sind zusätzlich Informationen eingestreut, die gar nicht benötigt werden. Wer besteht, muss das Wichtige herausfiltern, Abhängigkeiten erkennen und klare Prioritäten setzen.
Bewertet wird nicht nur das Ergebnis, sondern auch das Vorgehen. Welche Aufgaben jemand delegiert und welche er selbst übernimmt, lässt Rückschlüsse auf Auffassungsgabe, Zeitmanagement, Entscheidungsfreude und Durchsetzungsvermögen zu. Oft sollen die Kandidaten ihre Entscheidungen anschließend mündlich begründen.
Vorbereitung auf die Postkorbübung
Zwischen Einladung und Assessment-Center bleiben meist nur wenige Tage. Diese Zeit lohnt sich: Wer die Postkorbübung mehrmals durchspielt, gewinnt Routine. Beispielaufgaben finden sich in Vorbereitungsbüchern und im Internet. Ob die Musterlösungen mitgeliefert werden, ist dabei zweitrangig – jedes Unternehmen legt den Schwerpunkt anders.
Ein paar Grundregeln helfen im Ernstfall:
- Die Zeit im Blick behalten und beim Üben mit Wecker oder Timer arbeiten.
- Den gesamten Text erst einmal vollständig lesen – nie sofort mit dem ersten Punkt beginnen.
- Wichtige Passagen markieren und Abhängigkeiten sofort notieren.
- Entscheidungen in kurzen Stichpunkten festhalten, ohne lange Begründungen.
- Auch das mündliche Verteidigen der Entscheidungen üben.
Fazit
Die Postkorbübung ist anspruchsvoll, aber kein Grund zur Panik. Wer sie vorher einige Male geübt hat, geht ruhiger und routinierter an die Aufgabe. Der Test ist zugleich ein Vergleich mit den anderen Kandidaten – und die Bedingungen sind für alle gleich.
Häufig gestellte Fragen
Wie lange dauert eine Postkorbübung?
Die Bearbeitungszeit ist bewusst knapp gehalten und liegt meist unter einer Stunde. Die genaue Vorgabe steht in der Aufgabenstellung – wichtig ist, das Zeitfenster nicht zu überziehen.
Welche Fähigkeiten prüft die Postkorbübung?
Getestet werden vor allem Auffassungsgabe, Selbstorganisation, Zeitmanagement, Entscheidungsstärke, die Fähigkeit zu delegieren sowie Stressresistenz unter Zeitdruck.
Welche Fehler sollte man vermeiden?
Typische Fehler: sofort loslegen, ohne den ganzen Postkorb gelesen zu haben, Fristen und Abhängigkeiten übersehen, sich in unwichtigen Details verlieren und die Zeit aus dem Blick verlieren. Auch fehlende Prioritäten kosten Punkte.
Wie kann man sich zu Hause vorbereiten?
Am besten mit Beispielaufgaben aus Vorbereitungsbüchern oder dem Internet, die man mehrmals unter Zeitdruck durchspielt. Sinnvoll ist, das Setzen von Prioritäten und das mündliche Begründen der Entscheidungen gezielt zu trainieren.