Inhaltsverzeichnis

Wer in den Polizeivollzugsdienst des Landes Niedersachsen einsteigen möchte, absolviert in der Regel ein dreijähriges duales Bachelorstudium an der Polizeiakademie Niedersachsen. Standardzugang ist die Fachhochschulreife oder das Abitur; auch mit einem Realschulabschluss ist der Weg möglich, etwa über eine anschließende Fachoberschule oder eine passende Berufsausbildung. Das Auswahlverfahren, das über die Zulassung entscheidet, ist für alle Bewerberinnen und Bewerber gleich.
Der Einstellungstest bei der Landespolizei Niedersachsen
Das Auswahlverfahren wird zentral in der Polizeiakademie in Hann. Münden durchgeführt. Es gliedert sich in die Prüfung der Bewerbungsunterlagen und drei Testtage: den ersten Testtag mit computergestütztem Eignungstest und Sporttest, den zweiten Testtag mit dem Präsentationsgespräch und den dritten Testtag mit der polizeiärztlichen Untersuchung.
Prüfung der Bewerbungsunterlagen
Im ersten Schritt prüft die Landespolizei die eingereichten Unterlagen auf Vollständigkeit und darauf, ob die formalen Voraussetzungen erfüllt sind. Eine feste Mindestkörpergröße ist dabei kein Kriterium mehr: Die früher geforderten 163 Zentimeter und der zugehörige Vortest zur Körpergröße wurden 2024 abgeschafft. Stattdessen wird die körperliche Eignung unabhängig von der Größe im Sporttest festgestellt. Für eine Einstellung sollte der Body-Mass-Index (BMI) zwischen 18 und 27,5 liegen.
Der computergestützte Eignungstest
Der computergestützte Eignungstest bildet den Kern des ersten Testtags und dauert inklusive einer Pause etwa dreieinhalb Stunden. Geprüft werden unter anderem Gedächtnis, Aufmerksamkeit und Wahrnehmung, das schlussfolgernde Denken sowie Rechtschreibung und Grammatik. Der Test wird unmittelbar nach dem Ende ausgewertet, sodass die Teilnehmenden direkt erfahren, ob sie bestanden haben. Wer den Test nicht besteht, für den endet das Auswahlverfahren an dieser Stelle.
Der Sporttest
Nach einer kurzen Mittagspause folgt für die erfolgreichen Teilnehmenden der Sporttest, der die körperliche Leistungsfähigkeit feststellt. Er besteht aus zwei Teilen. Beim 3.000-Meter-Lauf auf der Aschenbahn (7,5 Runden à 400 Meter) gilt für Männer eine Höchstzeit von 17 Minuten, für Frauen von 20 Minuten; gelaufen wird bei jedem Wetter im Freien. Hinzu kommt ein Hallenparcours, der Koordination, Kraft und den polizeitypischen Umgang mit Geräten prüft. Dazu zählen ein Koordinationsteil, der Farmers Walk (Tragen von Gewichten, bei Männern 24 Kilogramm je Seite, bei Frauen 16 Kilogramm), das Überlaufen einer Langbank, das Überwinden eines Sprungkastens, eine Personenrettung und die Waffenhandhabung. Für den Parcours gilt eine Höchstzeit von 1:40 Minuten (Männer) beziehungsweise 2:00 Minuten (Frauen).
Das Präsentationsgespräch
Am zweiten Testtag steht das Präsentationsgespräch an; es dauert insgesamt etwa 50 bis 55 Minuten. Nach einer kurzen Vorbereitungszeit halten die Bewerberinnen und Bewerber eine etwa fünfminütige Präsentation zu einer Alltagssituation. Daran schließen sich ein Interview und situative Fragen an, mit denen die Eignung für den Polizeiberuf eingeschätzt wird.
Die polizeiärztliche Untersuchung
Den Abschluss bildet am dritten Testtag die polizeiärztliche Untersuchung bei einem der sechs Medizinischen Dienste. Sie ist zeitintensiv und dauert etwa vier bis fünf Stunden. Dabei werden unter anderem eine körperliche Untersuchung, Größe und Gewicht, ein Ruhe- und Belastungs-EKG, Labortests (Blut- und Urinprobe), der Zahnstatus sowie ein Hör- und Sehtest überprüft.
Wie kann ich mich auf den Einstellungstest bei der Landespolizei Niedersachsen vorbereiten?
Für eine gute Vorbereitung lässt sich an beiden Schwerpunkten ansetzen. Die körperliche Fitness für den Sporttest bauen Bewerberinnen und Bewerber am besten frühzeitig selbst auf – gefragt sind Ausdauer für den 3.000-Meter-Lauf sowie Kraft und Koordination für den Hallenparcours. Für den computergestützten Eignungstest hilft gezieltes Üben typischer Aufgabenformate. Eine Möglichkeit dafür ist das Portal Plakos Akademie, auf dem sich Aufgaben online trainieren und weiteres Übungsmaterial nutzen lassen.
Wer alle Schritte des Auswahlverfahrens erfolgreich meistert, erhält einen Platz auf der Rankingliste und damit die Chance auf eine Zusage für das Studium. Danach stehen unter anderem folgende Einsatzbereiche der Landespolizei Niedersachsen offen:
- Einsatz- und Streifendienst
- Verkehrssicherheitsarbeit und Verkehrsüberwachung
- Kriminalermittlungsdienst und Zentraler Kriminaldienst
- Landesbereitschaftspolizei
- Wasserschutzpolizei
- Spezialisierte Kriminalitätsbekämpfung
- Spezialeinheiten
- Reiter- und Diensthundführerstaffel
- Polizeihubschrauberstaffel
Häufig gestellte Fragen
Gibt es bei der Polizei Niedersachsen noch eine Mindestkörpergröße?
Nein. Die frühere Mindestgröße von 163 Zentimetern und der Vortest zur Körpergröße wurden 2024 abgeschafft. Die körperliche Eignung wird stattdessen unabhängig von der Größe im Sporttest überprüft; für eine Einstellung sollte der BMI zwischen 18 und 27,5 liegen.
Was passiert, wenn ich den computergestützten Eignungstest nicht bestehe?
Der Test wird direkt im Anschluss ausgewertet. Wer ihn nicht besteht, für den endet das Auswahlverfahren an dieser Stelle – der Sporttest am selben Tag findet dann nicht mehr statt.
Wie kann ich mich auf den Sporttest vorbereiten?
Sinnvoll ist ein frühzeitiges, regelmäßiges Training: Ausdauerläufe für den 3.000-Meter-Lauf sowie Kraft- und Koordinationsübungen für die Disziplinen des Hallenparcours (unter anderem Farmers Walk, Sprungkasten und Personenrettung).
Welche Einsatzbereiche stehen mir nach erfolgreicher Ausbildung offen?
Nach dem Studium sind unter anderem der Einsatz- und Streifendienst, die Verkehrsüberwachung, der Kriminaldienst, die Landesbereitschaftspolizei und die Wasserschutzpolizei möglich; nach entsprechender Spezialisierung kommen Bereiche wie Spezialeinheiten oder die Reiter- und Diensthundführerstaffel hinzu.