Onlinereputation als Bewerbungshilfe: So nutzen Sie Ihren Ruf im Netz

Wer sich heute bewirbt, wird gegoogelt: Personalverantwortliche recherchieren regelmäßig im Netz, bevor sie eine Einladung aussprechen. Der eigene digitale Ruf – die Onlinereputation – kann eine Bewerbung deshalb stützen oder ausbremsen. Dieser Beitrag zeigt, was Personaler online finden und wie Sie Ihre Onlinereputation gezielt als Bewerbungshilfe nutzen.

Was ist überhaupt die Onlinereputation?

Die Onlinereputation ist das Bild, das im Internet über eine Person entsteht – aus Suchergebnissen, Profilen in sozialen Netzwerken, Fotos und Beiträgen. Unternehmen setzen dafür eigene Monitoring-Tools ein; als Privatperson genügt ein einfacher Test: Suchen Sie den eigenen Namen bei Google, am besten in einem privaten Browserfenster ohne gespeicherte Anmeldung. Entscheidend sind vor allem die ersten Treffer, denn die meisten Betrachter sehen sich nur die oberste Handvoll Suchergebnisse an. Genau diese Treffer bekommt auch ein Personaler zu Gesicht.

Wie Personaler online recherchieren

Dass Arbeitgeber Bewerber im Netz prüfen, ist längst Routine. Nach einer Befragung des Digitalverbands Bitkom informierten sich 2018 zwei von drei Unternehmen (63 Prozent) in sozialen Netzwerken über Stelleninteressenten – ein deutlicher Anstieg gegenüber 46 Prozent im Jahr 2015 und 23 Prozent im Jahr 2013. Am häufigsten schauen Personaler dabei in berufliche Netzwerke wie Xing oder LinkedIn (53 Prozent), seltener in private Netzwerke wie Facebook, Twitter oder Instagram (30 Prozent). Die Recherche bleibt nicht folgenlos: Jeder vierte Personalverantwortliche (24 Prozent) hat schon einmal einen Bewerber wegen seiner Einträge in sozialen Medien aussortiert.

Sucht ein Personaler nach dem Namen eines Bewerbers, tauchen gepflegte Profile in beruflichen Netzwerken häufig weit oben in den Ergebnissen auf. Ein vollständiges, aktuelles Profil kann deshalb den ersten Eindruck prägen – im positiven wie im negativen Sinn.

Onlinereputation gezielt verbessern

Die eigene Onlinereputation lässt sich nicht über Nacht ändern, aber Schritt für Schritt steuern. Sinnvoll ist folgendes Vorgehen:

Schaubild: Ruf im Netz vor der Bewerbung
  • Bestandsaufnahme: den eigenen Namen googeln und die Bildersuche prüfen; notieren, welche Treffer stören.
  • Profile aufräumen: alte Beiträge, Fotos und Markierungen entfernen oder auf privat stellen; in den Privatsphäre-Einstellungen festlegen, was öffentlich sichtbar ist.
  • Berufliches Profil stärken: ein vollständiges, seriöses Profil bei Xing oder LinkedIn anlegen – mit Foto, Werdegang und Kenntnissen. Das gibt der Namenssuche einen positiven, kontrollierten Treffer.
  • Konsistenz: Name, Foto und Angaben über die Netzwerke hinweg einheitlich halten, damit klar ist, welche Treffer wirklich zur eigenen Person gehören.

Wer die Onlinereputation früh und dauerhaft pflegt – idealerweise schon in einer festen Anstellung –, muss in der eigentlichen Bewerbungsphase nicht hektisch nachbessern.

Was Personaler dürfen – und was nicht

Nicht jede Information dürfen Arbeitgeber verwerten. Nach § 26 Absatz 1 des Bundesdatenschutzgesetzes ist die Datenerhebung über Bewerber nur zulässig, wenn sie für die Einstellungsentscheidung erforderlich und angemessen ist. Recherchen in beruflichen Netzwerken wie Xing oder LinkedIn gelten als weitgehend unproblematisch, weil die Angaben dort bewusst berufsbezogen veröffentlicht werden. Bei rein privaten Profilen ist die Auswertung dagegen heikel: Daten, die nur einem begrenzten Kreis zugänglich sind, sind tabu.

Störende oder falsche Suchtreffer müssen Sie nicht immer hinnehmen. Über den Auslistungsanspruch aus Artikel 17 DSGVO (das „Recht auf Vergessenwerden“) lässt sich bei Suchmaschinen die Entfernung von Ergebnislinks beantragen, wenn die verlinkten Informationen etwa unrichtig oder nicht mehr relevant sind. Der Inhalt selbst bleibt dabei online – gelöscht wird nur der Verweis in der Trefferliste.

Häufig gestellte Fragen

Wie finde ich heraus, was Personaler über mich im Internet finden?

Suchen Sie Ihren vollständigen Namen bei einer Suchmaschine, am besten in einem privaten Browserfenster ohne Anmeldung, und prüfen Sie zusätzlich die Bildersuche. Sehen Sie sich vor allem die ersten Trefferseiten an – diese bekommt auch ein Personaler zu sehen. Kontrollieren Sie außerdem, welche Ihrer Profile bei Xing, LinkedIn, Facebook oder Instagram öffentlich einsehbar sind.

Wie kann ich negative Suchergebnisse über mich löschen lassen?

Bei unrichtigen, veralteten oder unangemessenen Treffern können Sie über den Auslistungsanspruch aus Artikel 17 DSGVO („Recht auf Vergessenwerden“) beim Suchmaschinenbetreiber die Entfernung des Ergebnislinks beantragen; Google stellt dafür ein eigenes Antragsformular bereit. Für den Inhalt selbst wenden Sie sich an den Betreiber der jeweiligen Website. Die Auslistung entfernt nur den Link aus der Trefferliste, nicht die Quelle.

Welche Social-Media-Aktivitäten wirken sich positiv auf eine Bewerbung aus?

Am ehesten zahlen berufsbezogene Inhalte ein: ein vollständiges Profil bei Xing oder LinkedIn, ein nachvollziehbarer Werdegang, fachliche Beiträge oder Weiterbildungen. Personaler achten laut Bitkom vor allem auf berufliche Netzwerke. Private Freizeitinhalte sind selten ausschlaggebend – solange sie nicht negativ auffallen.

Sollte ich meine Social-Media-Profile vor einer Bewerbung überarbeiten?

Ja. Da rund ein Viertel der Personalverantwortlichen schon Bewerber wegen Social-Media-Einträgen aussortiert hat, lohnt sich ein kritischer Blick: problematische Fotos und Beiträge entfernen oder auf privat stellen, Privatsphäre-Einstellungen anpassen und das berufliche Profil aktualisieren. Am besten pflegen Sie Ihre Profile dauerhaft, nicht erst kurz vor der Bewerbung.