Schwächen im Vorstellungsgespräch nennen: So antworten Sie souverän

Die Frage nach den eigenen Schwächen gehört zu den Klassikern im Vorstellungsgespräch – und sie verunsichert viele Bewerber. Mit etwas Vorbereitung ist sie aber gut zu meistern. Wer versteht, worauf Personaler damit hinauswollen, kann ehrlich und souverän antworten, ohne sich selbst zu schaden.

Warum Personaler nach Schwächen fragen

Wer nach seinen Schwächen gefragt wird, bekommt Gelegenheit, Selbstwahrnehmung und Selbstreflexion zu zeigen. Genau darauf zielt die Frage: Der Gesprächspartner möchte sehen, wie gut sich jemand selbst einschätzen kann. Ein zweiter Punkt ist die Reaktion auf eine unangenehme, spontane Situation – hier zeigt sich oft, wie eine Person unter Druck auftritt. Die Bundesagentur für Arbeit weist darauf hin, dass Personalverantwortliche vor allem wissen wollen, ob man offen über die eigenen Schwächen spricht und wie man daran arbeitet.

Typische Fehler bei der Antwort

Der Moment verleitet manche zu einer trotzigen Reaktion – etwa dem Hinweis, man wolle lieber über die eigenen Stärken sprechen. Doch die Antwort zu verweigern, ist selbst schon eine Schwäche. Ebenso wenig helfen langes Zögern, Ausflüchte oder offensichtliche Unwahrheiten. Auch die abgedroschene Standardantwort „Ich bin eben Perfektionist“ durchschauen erfahrene Personaler rasch als getarnte Stärke. Und wer eine echte, jobrelevante Schwäche nennt, die ihn für die Stelle disqualifiziert – etwa Unpünktlichkeit oder Teamunfähigkeit –, schadet sich unnötig.

Gibt es die eine richtige Antwort?

Die perfekte Musterantwort gibt es nicht, und darum geht es auch nicht. Bewährt hat sich, eine ehrliche, aber veränderbare Schwäche zu nennen und zu zeigen, wie man mit ihr umgeht. Gut geeignet sind Punkte, an denen man aktiv arbeiten kann: Nervosität beim Reden vor größeren Gruppen, Ungeduld bei langwierigen Abläufen oder die Schwierigkeit, Aufgaben abzugeben. Weniger geeignet sind Eigenschaften, die im Job zum echten Problem werden, etwa Unzuverlässigkeit oder mangelnde Motivation. Ein wenig Humor darf mitschwingen – wer etwa auf einen chronisch vollen Schreibtisch verweist, lockert die Lage auf und entlockt dem Gegenüber vielleicht ein Lächeln. Wichtig ist nur, dass die Antwort inhaltlich trägt und die Frage nicht bloß umschifft.

So bereiten Sie sich vor

Der Termin steht meist Tage oder Wochen im Voraus fest – Zeit genug, sich mit den eigenen Schwächen auseinanderzusetzen. Eine kurze Stichpunktliste hilft, größere Baustellen von kleinen, sympathischen Fehlern zu trennen. Daraus lassen sich ein bis zwei Antworten formen, die man im Gespräch parat hat. Die Bundesagentur für Arbeit empfiehlt außerdem, sich gründlich über das Unternehmen zu informieren, den eigenen Lebenslauf frei vortragen zu üben und das Gespräch vorab mit Freunden oder Familie durchzuspielen. Wer schwierige Fragen einmal laut beantwortet hat, reagiert im Ernstfall ruhiger.

Meist reicht es, eine einzige Schwäche zu thematisieren. Nach einer überzeugenden Antwort wendet sich der Gesprächspartner ohnehin oft anderen Themen zu und bohrt nicht weiter nach.

Weitere unangenehme Fragen

Ein Vorstellungsgespräch dient zunächst dem gegenseitigen Kennenlernen und den fachlichen Aspekten der Stelle. Daneben können weitere heikle Fragen kommen, zum Beispiel:

  • Worin liegen Ihre Stärken?
  • Warum sollten wir gerade Sie einstellen?
  • Was war bisher Ihr größter Erfolg?
  • Warum hatten Sie in diesem Fach keine besseren Noten?

Bei unzulässigen Fragen – etwa nach Religion oder Familienplanung – rät die Bundesagentur für Arbeit, freundlich und ruhig zu bleiben. Man kann die Frage beantworten oder höflich zurückfragen, inwiefern das für die zu besetzende Stelle wichtig sei.

Die Grundregel bleibt in allen Fällen dieselbe: einen kühlen Kopf bewahren, sich kurz Zeit zum Überlegen nehmen und dann klar antworten – ohne Ausflüchte oder offensichtliche Unwahrheiten. Je souveräner jemand auftritt, desto positiver der Gesamteindruck.

Häufig gestellte Fragen

Welche Schwächen sollte man im Vorstellungsgespräch nennen?

Am besten ehrliche, aber veränderbare Schwächen, an denen man erkennbar arbeitet – etwa Nervosität beim Präsentieren, Ungeduld oder die Schwierigkeit, Aufgaben abzugeben. Ungeeignet sind Eigenschaften, die einen für die konkrete Stelle disqualifizieren.

Wie bereitet man sich am besten auf die Frage vor?

Vorab überlegen, welche Schwächen man guten Gewissens nennen kann, sie in einer kurzen Stichpunktliste festhalten und das Gespräch mit Freunden oder Familie üben. Die Bundesagentur für Arbeit rät zusätzlich, sich gründlich über das Unternehmen zu informieren.

Welche Fehler sollte man bei der Antwort vermeiden?

Die Antwort trotzig zu verweigern, lange Ausflüchte oder Lügen, die abgedroschene „Perfektionismus“-Floskel und das Nennen einer echten Schwäche, die einen für den Job untauglich macht.

Warum stellen Personaler überhaupt die Frage nach Schwächen?

Sie wollen sehen, wie gut sich jemand selbst einschätzt und wie er in einer unangenehmen Situation reagiert. Laut Bundesagentur für Arbeit geht es vor allem darum, ob man offen über Schwächen spricht und daran arbeitet.